Der Sonntagsbraten von der Weide ist beliebt

"Lehrter Wiesenhähnchen" im Offenstall Foto: Landvolk Niedersachsen

Nebenerwerbslandwirte halten Hähnchen im Offenstall

L P D – Wenn sich morgens um 7 Uhr die Klappen des modernen Hähnchenstalls öffnen, streben die munteren Vögel ins Freie. „Sobald der erste Bewegungsdrang gestillt ist, halten sie sich aber wieder gerne im Stall auf“, lautet Immo Behres Erfahrung. Der Landwirt hält gemeinsam mit seinem Berufskollegen Karl Eckerlin 400 „Lehrter Wiesenhähnchen“ in einem Offenstall mit weitläufigem Auslauf. Die beiden Nebenerwerbslandwirte bewirtschaften zudem mit der „Behrlin GbR“ gemeinsam knapp 300 Hektar Ackerland und bauen darauf Zuckerrüben, Winterweizen und -gerste, Dinkel, Raps und Silomais an. Da sie in dem Bereich jedoch keine weiteren Chancen zur Erweiterung gesehen haben, entschlossen sie sich in die Hähnchenhaltung einzusteigen.

„Vor zweieinhalb Jahren sind die ersten 150 Hähnchen bei uns auf der Weide hinter dem Hof eingezogen“, erinnert sich Behre an die spartanischen Anfänge mit einem Container als Stall. Geschlachtet wurden die Tiere noch auf dem elterlichen Hof mitten im Dorf. Dafür mussten sich die beiden Verkäufer aus der Landmaschinenbranche jedes Mal einen ganzen Tag Urlaub nehmen. „Bei zehn Durchgängen im Jahr summiert sich das“, rechnet der 31-jährige Eckerlin vor. Die beiden Landwirte sind daher froh, dass sie ihre nach zehn Wochen schlachtreifen Hähnchen nun frühmorgens in die Schlachterei vom Bauckhof bringen dürfen, dort schlachten lassen und später vakuumiert per Kurier zurückbekommen. „Die halten dort die gleiche Rasse wie wir, nur das Futter unterscheidet sich“, sagt Behre, der vom Gedankenaustausch zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft profitiert und keine Antibiotika einsetzt.

Angeboten wird das Hähnchenfleisch im örtlichen Hofladen eines Berufskollegen und in Restaurants der Region. „Wir bekommen häufig Anrufe aus dem Hofladen, ob Leute vorbeikommen und gucken können“, freut sich der 35-jährige Behre über das Interesse an seiner Arbeit. Gerne zeigt er, wie die Hähnchen leben, dass sie alle zwei Tage eingestreut werden und woher das Futter stammt. „Die Leute finden das gut, wenn der Sonntagsbraten auf der Weide läuft“, schmunzelt Eckerlin. Die Begeisterung für die Haltung, aber auch die besondere Qualität des Fleisches sind die häufigsten Rückmeldungen, die die beiden Jungbauern erhalten. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass den Kunden die Regionalität besonders wichtig ist. Die „Lehrter Wiesenhähnchen“ haben mittlerweile so viele Stammkunden, dass die Nebenerwerbslandwirte nun in größere Ställe investiert haben, die sie mit dem Trecker nach jedem Durchgang wieder auf frisches Grün weiterziehen können. Trotz des Erfolgs wollen sie die Tieranzahl nicht erheblich erhöhen. „Bei 500 Tieren ist Schluss, und das ist im Nebenerwerb auch nur möglich, weil unsere Familien voll hinter uns stehen“, wissen sie das Engagement ihrer Väter, von denen sie die Höfe seit kurzem gepachtet haben, zu schätzen. Es soll ja schließlich Spaß machen, abends um 20 Uhr zu gucken, ob alle Hähnchen wieder wohlbehalten im Stall angekommen sind. (LPD 79/2021)

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