Vernunft statt überbordender Brachen im Grünland

Das Landvolk fordert praktikable Verodnungen zu erstellen, die nicht die Verabredungen im Niedersächsischen Weg konterkarieren Foto: Landvolk

Auswirkungen der EU-Vorschriften mildern – Landvolk startet Postkartenaktion

L P D – Mit viel Mühe und Hartnäckigkeit ist es gelungen, die völlig überzogenen Gewässerabstandsvorgaben aus dem CDU/SPD-Insektenschutzpaket des Bundes durch die Pufferstreifenlösung des Niedersächsischen Wegs zu ersetzen. Jetzt ist dieses Ergebnis aber erneut gefährdet durch die Ende Juni beschlossenen neuen EU-Vorschriften für die Betriebsprämien ab 2023. Durch Initiativen der Bauernverbände wurde erreicht, dass die EU-Vorschriften für gewässerreiche Gebiete bzw. bestimmte Gewässer wie Entwässerungsgräben eine geringere Pufferstreifenbreite als drei Meter zulassen. Diese Entscheidung muss aber der jeweilige Mitgliedsstaat treffen, also Bund und Länder in Deutschland, und voraussichtlich schon bis spätestens Ende 2021. Nicht verändern hingegen lässt sich die EU-Vorgabe, dass für die Betriebsprämie ab 2023 mindestens vier Prozent der Ackerflächen eines Bauernhofes aus der Produktion genommen werden müssen.

„Besonders belastet sind davon die grünlandbasierten Futterbaubetriebe in den Küstenregionen. Die trifft es besonders hart“, sagt Dr. Karsten Padeken, Landwirt aus der Wesermarsch und Vorsitzender im Grünlandausschuss des Landvolks Niedersachsen. „Die Standards als Grundvoraussetzung für die Zahlung einer Prämie werden nach den bisherigen Planungen so hoch angesetzt, dass die Betriebe deutlich weniger effektive Leistungen erhalten. Manche unserer Berufskollegen müssen sich überlegen, ob es für sie überhaupt noch sinnvoll ist, an den EU-Fördermaßnahmen teilzunehmen.“

Wer in einem Moorgebiet oder in einem Vogelschutzgebiet seine Flächen hat oder in einem Areal mit hoher Gewässerdichte, den treffen die angedachten Vorgaben für die Bewirtschaftung von Grünland und die Abstandsregelungen besonders hart. „Vom Bund muss jetzt gefordert werden, praktikable Verordnungen zu erstellen, die nicht die Verabredungen im Niedersächsischen Weg konterkarieren“, stellt Padeken klar. Das gleiche gelte für die Moorgebiete. „Ferner erwarten wir von der Landesregierung, dass sie in den Vogelschutzgebieten die neu vorliegende Länderöffnungsklausel nutzt, damit das Grünland auch weiterhin für die Milchviehhaltung genutzt werden kann“, bekräftigt Padeken.

Zudem muss nach Auffassung des Landvolks die Bundesregierung noch Möglichkeiten schaffen, dass mehr grünlandbasierte Milchviehbetriebe von den EcoSchemes profitieren können. „Die jetzigen Angebote sind nicht praktikabel“, sagt Karsten Padeken. Er befürchtet, dass die betroffenen Regionen wirtschaftlich abgehängt werden und dass es langfristig zu weiteren Betriebsaufgaben kommt.

Um die Forderungen zu untermauern, hat sich Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies jetzt mit einem Schreiben an die Landwirtinnen und Landwirte gewandt mit der Bitte, eine groß angelegte Postkartenaktion zu unterstützen. Adressaten sind die Landtags- und Bundestagsabgeordneten, die für die Thematik aus Sicht der Betroffenen sensibilisiert werden sollen. (LPD 65/2021)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Sonja Markgraf

Pressesprecherin

Tel.: 0511 36704-31

E-Mail-Kontakt

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…