Schweinekrise – „Markt ist auf Jahre beeinträchtigt“

Schweinekrise: Sauenhalter und Ferkelmäster sehen sich in einer ausweglosen Situation Foto: Pixabay

Lage ist für Halter und Mäster existenzbedrohend – Nur zu reden reicht nicht mehr

L P DEs ist das schwerste Preis-/Kosten-Dilemma seit Jahren, in dem sich Sauenhalter und Ferkelmäster derzeit befinden. Längst macht das Wort von der „Schweinekrise“ die Runde – und tatsächlich sehen sich die betroffenen Betriebe einer geradezu ausweglosen Situation gegenüber, die mehrere Ursachen hat. „Allein die Afrikanische Schweinepest bewirkt, dass der Absatzmarkt für deutsche Erzeuger auf viele Jahre hinaus beeinträchtigt ist“, sagt Dr. Albert Hortmann-Scholten, Unternehmensbereichsleiter bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Bis die endemische Lage bei der ASP ausgestanden ist, versorgen sich die Chinesen mit Schweinefleisch aus den USA und Brasilien“, malt der Experte ein düsteres Bild von der Zukunft.

Auch innerhalb Europas gibt es aktuell extreme Marktverwerfungen. Deutschland verliert in diesem Jahr zwischen sechs und acht Prozent der Produktion während Spanien, Dänemark und selbst die Niederlande die Erzeugung weiter ausdehnen. Insgesamt gibt es auf dem hiesigen Kontinent zu viele Tiere. „Eine Million Tonnen Fleisch wird derzeit im Jahr zu uns eingeführt und teilweise unter Preis vom Lebensmitteleinzelhandel verscherbelt“, klagt Hortmann-Scholten.

Das bringt auch die Landwirte in Rage. „Die Rechnung zahlt wie so oft der einzelne Erzeuger“, kritisiert Enno Garbade, Vorsitzender im Arbeitskreis Sauenhaltung beim Landvolk Niedersachsen. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand, immer mehr Berufskollegen denken ans Aufhören.“ Wie dramatisch die Lage ist, beschreibt auch Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers: „Zur Kostendeckung bräuchten wir mindestens 1,80 Euro je Kilo Fleisch, wir bekommen aber nur 1,25 Euro. Das ist viel zu wenig.“ Zwar begrüßt Ehlers die neue Initiative von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, erinnert aber auch an seit Monaten wiederkehrende Versprechungen: „Es wird viel geredet, doch es passiert nichts. Das kann und darf so nicht weiter gehen.“ Die „Doppelmoral“ des Lebensmitteleinzelhandels beklagt Vizepräsident Ehlers mit deutlichen Worten: „Die Ware wird andernorts zu miesen Sozial-, Tierschutz- und Umweltstandards produziert, und die Händler bringen diese Ware zu Schleuderpreisen ins Geschäft. Damit wird das deutsche Tierwohllabel trotz anderslautender Werbeversprechen unterlaufen. Das ist fast schon perfide, mindestens aber unglaubwürdig.“ (LPD 67/2021)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Sonja Markgraf

Pressesprecherin

Tel.: 0511 36704-31

E-Mail-Kontakt

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…