Regen gibt Heidelbeeren den letzten Kick

Die Haupternte der Heidelbeeren ist in vollem Gange und die Qualitäten sowie die Fruchtgrößen sind sehr gut Foto: Landvolk

Große wirtschaftliche Probleme durch Importe – Vollautomatische Ernte möglich

L P D – Heidelbeere, Bickbeere, Blaubeere, Moosbeere, es gibt viele Namen für die dicken blauen Beeren, die jetzt wieder auf den Moor-, Sand- und Heideböden in Niedersachsen gepflückt werden. Die Haupternte ist in vollem Gange und die Qualitäten sowie die Fruchtgrößen sind sehr gut. „Der Regen hat den letzten Kick gegeben“, sagt Fred Eickhorst, Geschäftsführer des Verbandes der Spargel- und Beerenanbauer. Wie alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse hatte auch die Blaubeere in diesem Jahr einen kalten Start und genau wie die Erdbeeren haben auch die Heidelbeeren unter der dreiwöchigen Hitze im Juni gelitten. Die nun vorherrschenden kühleren Temperaturen und vor allem der Regen brachte den Pflanzen Erleichterung. „Petrus hat die Saison gerettet“, wiederholt Eickhorst seine Einschätzung aus der Spargelsaison auch für die Erdbeer- und Heidelbeerernte.

Anders als bei den Erdbeeren – mit deren Ernte die Landwirte vor allem wegen des geringeren Konkurrenzdrucks aus dem Ausland durch die Hitze und Dürre in Spanien zufrieden sind – überschwemmen derzeit allerdings Heidelbeeren aus Polen, Rumänien und Serbien den deutschen Lebensmitteleinzelhandel. „Das sind nennenswerte Mengen, die uns große Probleme bereiten“, stellt Eickhorst fest. Er vermutet, dass in Osteuropa massiv Heidelbeeren aufgepflanzt wurden. Genaue Anbauzahlen seien jedoch unbekannt. „Wir dachten, der Frost hätte den Pflanzen dort mehr zu schaffen gemacht und die Fruchtmenge reduziert. Das haben wir falsch eingeschätzt“, gibt der Beerenobstexperte zu.

Im Zusammenspiel mit den hohen Anforderungen an den Anbau und den gestiegenen Lohnkosten der deutschen Betriebe entsteht durch die Importe ein immenser Druck auf die Wirtschaftlichkeit des Heidelbeeranbaus. Einige Bauern experimentieren daher mit einer Mechanisierung der Ernte. „Bei Heidelbeeren ist das sehr gut möglich“, berichtet Eickhorst. Allerdings seien in der Folge auch Farb-, Festigkeits- und Größenscanner zur Sortierung nötig. Zusammen mit der vollautomatischen Erntetechnik, die mindestens eine halbe Million Euro koste, summiere sich das zu einer enorm großen Geldmenge. „Da kommt keine Euphorie auf“, beschreibt der Obstbauer die Stimmung auf den Höfen.

Er hofft nun noch auf einige trockenere Wochen, die die Ernte erleichtern würden. „Das wäre angenehmer für die Erntehelfer und würde Kosten für die Trocknung der Früchte sparen“, erläutert Eickhorst. Durch den Regen gehe zudem der weiße Schutzfilm – der sogenannte Duft – verloren und die Heidelbeeren seien weniger lange haltbar. „Der geschützte Anbau unter Folie ist bei den Sträuchern allerdings schwierig“, sagt Eickhorst. Trotz erster Versuche, vor allem zur Schädlingsabwehr durch Nützlinge, erwartet er in diesem Bereich keine Expansion. Und dass, obwohl Niedersachsen deutschlandweit mit etwa 75 Prozent der Plantagenfläche führend im Anbau von Kulturheidelbeeren ist. Insgesamt stehen in Deutschland auf knapp 3.400 Hektar Kulturheidelbeeren. (LPD 58/2023)

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