Naturschutz und Ackerbau: Schwarz-Weiß-Denken überwinden

Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies fordert ein klares Bekenntnis, Bäuerinnnen und Bauern mehr Flexibilität bei der Nutzung ihrer Äcker zu lassen Foto: Landvolk Niedersachsen

Landvolkpräsident fordert mehr Flexibilität statt Zwangsbrache ein

L P D – Am kommenden Donnerstag wollen sich Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und die Agrarministerinnen und Agrarminister der Bundesländer über die Umsetzung der Vorschläge der EU-Kommission zur Steigerung der Getreideerzeugung in der EU im Jahr 2023 verständigen. Der Präsident des Landvolk Niedersachsen, Dr. Holger Hennies, fordert hier ein klares Bekenntnis, den Bäuerinnnen und Bauern in Deutschland mehr Flexibilität bei der Nutzung ihrer Äcker zu lassen als bisher geplant war. „Die verantwortlichen Akteure in Bund und Ländern sollten in der Diskussion ihr Schwarz-Weiß-Denken beenden, wenn sie über eine Reduzierung der bisher vorgeschriebenen Zwangsstilllegung von 4 Prozent der Ackerfläche und Zulassung von zwei Jahre aufeinanderfolgenden Weizenanbau beraten und entscheiden. Viele Landwirte fördern bereits seit Jahren die Biodiversität auf ihren Äckern, zum Beispiel über Agrarumweltmaßnahmen. Das will niemand aufgeben, nur um wenige Tonnen Getreide mehr zu ernten“, erklärt Niedersachsens Landvolkpräsident gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

Die ab 2023 erstmals alternativlos vorgeschriebene Pflichtbrache und das vom Bundesrat im vergangenen Jahr beschlossene Verbot, die Ackerbrache aktiv zu begrünen, zum Beispiel als Bienenweide, seien angesichts der aktuellen Krise in der Getreideversorgung, aber für keinen Bauern mehr nachvollziehbar. „Denn damit müssen auch hochertragreiche Böden aus der Nutzung genommen werden, die bei der vorgeschriebenen Selbstbegrünung alles andere als der Artenvielfalt dienen werden“, kritisiert Hennies die aktuellen Vorgaben.

Hennies weist darauf hin, dass die Tierhaltung in Deutschland seit Jahren rückläufig ist und der Bevölkerung daher einen Bären aufgebunden wird, dass der Verzicht auf Zwangsbrachen zwecks Ausweitung der Futtergetreideerzeugung erfolge. „Ein Großteil unserer Futtermittel kommt entweder von Grünland oder aus Nebenprodukten der Lebensmittelerzeugung. Außerdem bauen wir schon aus Gründen der Fruchtfolge auch Kulturen an, die nicht oder nur eingeschränkt als Lebensmittel genutzt werden, wie die Gerste“, zeigt Hennies auf. „Gerade unsere besten Böden sind dagegen auch für zweijährigen Weizenanbau geeignet. Diese Option und Flexibilität für unserer Betriebe muss angesichts der Auswirkungen des Überfalls Russlands auf die Ukraine erhalten werden“, erklärt Hennies abschließend. (LPD 56/2022)

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