Mehr Landwirte setzen auf Sonnenblumen

Vergleichsweise anspruchslose Kultur verspricht stabile Erträge auch bei Trockenheit

L P D – Auch wenn der Anbau von Sonnenblumen wegen des hohen Wärmebedarfs der Pflanzen hierzulande immer noch als risikoreich gilt, so setzen in Niedersachsen immer mehr Landwirtinnen und Landwirte auf die prächtigen Korbblütler. Betriebe haben im Frühjahr vermehrt Sonnenblumen ausgesät, die jetzt als Schnittblumen veräußert und deren Körner im September geerntet werden, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Die Marktlage für Sonnenblumenöl und Saatgut bleibt vor dem Hintergrund des Konfliktes in der Ukraine, wo weltweit bezogen auf die Fläche die meisten Sonnenblumen angebaut wurden, weiterhin turbulent.

Die Anbaufläche in Deutschland wurde im laufenden Jahr mehr als verdoppelt auf 85.300 Hektar, so das Statistische Bundesamt. Bereits in den Jahren zuvor ist die Fläche für Sonnenblumen deutlich ausgeweitet worden; diese Tendenz ist inzwischen weltweit erkennbar. Im EU-Vergleich ist Deutschland mit einem Anteil von 0,5 Prozent allerdings ein kleiner Produzent. Führend sind Rumänien, Bulgarien, Spanien und Frankreich.

Wilhelm Behn aus dem Landkreis Helmstedt hat die Anbaufläche für die gelbblättrigen Pflanzen in diesem Jahr von acht auf 35 Hektar (ha) erhöht. Die vergleichsweise anspruchslose Kultur könne gut Feuchtigkeit im Stengel speichern und habe deshalb auch in Trockenzeiten ein gutes Auskommen. Behn nutzt Sonnenblumen in der Fruchtfolge zwischen zwei „Weizenjahren“ als weitere Sommerung, danach folgen wieder Gerste und Zuckerrüben. Der Ackerbauer setzt bei der Vermarktung der Sonnenblumenkörner auf einen geschlossenen Kreislauf: „Wir reinigen die Körner und geben sie in unsere hofeigene Ölmühle. Im Frühjahr haben wir sehr gute Erlöse erzielt. Ich bin derzeit dabei, Verträge mit der Gastronomie und dem Lebensmitteleinzelhandel auszuweiten“, berichtet Behn über veränderte Absatzmöglichkeiten.

Da der Bedarf nicht über regionale Anbieter gedeckt werden kann, gelangen Sonnenblumen-Produkte derweil auch über „Umwege“ nach Deutschland, hat einer der größten deutschen Agrarhändler, Agravis, jetzt mitgeteilt. In kleineren Mengen kommen sie nach Westeuropa, meist über Rumänien und die Türkei. Da in der Ukraine viele Mühlen wegen des Krieges nicht betrieben würden, hätten sich die Exporte verändert. Während die Ausfuhren von Öl deutlich zurückgingen, sei der Export von Sonnenblumensaat „von fast Null auf knapp über eine Million Tonnen im Zeitraum April bis Juni 2022 gestiegen“, teilte der Großhändler mit. (LPD 60/2022)

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