Landwirte der Ukraine trotz Krieg besser ausbilden

Die Ausbildungsstandards in der ukrainischen Landwirtschaft weiter verbessern. Das ist das Ziel von FABU. Foto: FABU-Projekt

Projekt zur Verbesserung der Methoden an landwirtschaftlichen Colleges geht weiter

L P D„Die ukrainische Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Motoren der ukrainischen Wirtschaft. Rund 70 Prozent der ukrainischen Landesflächen sind landwirtschaftlich nutzbar, die Ukraine verfügt über 42 Millionen Hektar (ha) Ackerland – Deutschlands Ackerlandfläche beträgt hingegen gut 11,6 Mio. ha“, erklärt Hans Georg Hassenpflug, Leiter des Projekts Förderung der Berufsausbildung an landwirtschaftlichen Colleges in der Ukraine (FABU), gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. 25 Prozent der weltweiten Schwarzerde-Böden befinden sich in der Ukraine. Im Jahr 2019 kamen rund 44,2 Prozent der Exporterlöse und damit gut 22 Mrd. US-Dollar, aus der Landwirtschaft. „Das zeigt, wie wichtig Landwirtschaft für die Ukraine und für viele Länder der Welt ist.“

Damit die Landwirtschaft in der Ukraine auch zukünftig prosperiert und dem Status „Kornkammer Europas“ gerecht wird, kommt der Verfügbarkeit von gut qualifizierten Fach- und Führungskräften eine wichtige Rolle zu. Hinsichtlich der Ausbildung ist allerdings festzustellen, dass sich das landesweite Ausbildungssystem nicht in gleichem Maße weiterentwickelt hat, wie die Modernisierungsprozesse in der Landwirtschaft vorangeschritten sind. Trotz bereits vollzogener Reformen reflektiert das aktuelle System noch weitgehend das vormalige sowjetische Ausbildungssystem. So liegt der Schwerpunkt auf allen Ebenen immer noch auf der Vermittlung von reinem Wissen, während die Vermittlung praktischer Kenntnisse eher stiefmütterlich behandelt wird. Hier will nach Aussage von Hassenpflug das Projekt FABU Abhilfe schaffen und Hilfestellung bei der Überwindung der Trennung von Theorie und Praxis leisten sowie die Ausbildungsqualität an internationale Standards heranführen.

„Um das zu erreichen, sollen die praxisnahen Methoden und Inhalte der Ausbildung an landwirtschaftlichen Colleges und Lehrzentren verbessert und Elemente einer dualen Ausbildung pilothaft eingeführt werden“, führt Projektleiter Hassenpflug aus. Er freut sich, dass das Projekt in einer zweiten Phase weitergeführt wird und Fördermittel dafür bis Dezember 2024 mit Option auf einjährige Verlängerung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium genehmigt wurden. Für die laufende Projektphase ist die gemeinsame deutsch-ukrainische Projektarbeit auf drei konkrete Bereiche fokussiert: Sie beinhaltet die Initiierung und Weiterentwicklung der institutionellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen (Gesetze, Erlasse, Verordnungen etc.) für eine praxis- und arbeitsmarktbezogene Berufsbildung im Agrarbereich in Anlehnung an das Modell der dualen Ausbildung. Weiterhin sieht sie die Stärkung der fachlichen Kompetenzen der Lehrkräfte an den Colleges bzw. der Ausbilder in den Be-trieben durch gezielte Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Umsetzung mehr praxisorientierter Lehrveranstaltungen bzw. Lehrmodule und die Konzeption von neuen Lehreinheiten mit aktuellen Inhalten vor. Und drittens die Überarbeitung und Anpassung der praktischen Ausbildung u. a. durch den Ausbau der praktischen Komponente und damit die Integration von mehr Praktika bzw. Ausbildungszeiten auf den Betrieben.

„Wir freuen uns, dass die modellhafte Erprobung der neuen Ausbildungsstandards, Curricula und praxis-orientierten Lehrmethoden an den vier Pilotcolleges erfolgreich war, sodass nun die formale Einführung dieser in den fünf ausgewählten Spezialisierungen (Pflanzenbau, Tierproduktion, Veterinärmedizin, Landtechnik und Elektrotechnik) an weiteren Colleges vorbereitet werden kann“, führt Hans Georg Hassenpflug, der seit 2017 das FABU-Projekt begleitet und ein Kenner der Ukraine ist, aus. „In der ersten Projektphase konnte gemeinsam mit den ukrainischen Projektpartnern das „Technologische Praktikum“ neukonzipiert werden. Außerdem wurden 43 Lehrmodule fachlich überarbeitet oder neu entwickelt, 20 Themenfelder methodisch und didaktisch bearbeitet sowie über 1000 Lehrkräfte der Agrar-Colleges praxisnah fortgebildet und mehr als 300 Lehrkräfte methodisch-didaktisch geschult. All das wird nun trotz des Krieges verbindlich in den Ausbildungsplänen/Lehrplänen festgeschrieben und pilothaft eingeführt, damit die Ukraine auch weiterhin als wichtiges Agrarland in Europa auftreten kann“, erklärt Hassenpflug.

„Mit der Umsetzung des Projektansatzes wird die Einführung eines zeitgemäßen Qualifikationsrahmens sowie die Erarbeitung moderner beruflicher Standards und Lehrinhalte für die Ausbildung im Agrarsektor der Ukraine unterstützt. Gleichzeitig sollen mit einer stärker praxisorientierten Wissensvermittlung die Berufschancen von Absolventinnen und Absolventen im Agrarsektor verbessert und ein positiver Einfluss auf die Entwicklung ländlicher Räume und des Agrarsektors in der Ukraine erreicht werden. Wir wollen die Absolventen und Absolventinnen der landwirtschaftlichen Colleges „berufsfähig“ machen, formuliert Hans Georg Hassenpflug abschließend das Ziel des Projektes. (LPD 04/2023)

Redakteurin

Silke Breustedt-Muschalla

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