Landwirte blicken beim Erntedank auf ein turbulentes (Wetter-)Jahr zurück

Im Garten der bischöflichen Residenz in Hannover überbrachten Mitglieder der Niedersächsischen Landjugend im Beisein von Kirchenvertreterinnen, Landfrauen und Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg (rechts im Bild) die diesjährige Erntekrone. Hinten rechts neben der Krone: Landesbischof Ralf Meister. Foto: Landvolk.

L P D – Die bunte Erntekrone der Niedersächsischen Landjugend kommt in diesem Jahr aus dem Landkreis Nienburg und hängt ab sofort in der Residenz von Landesbischof Ralf Meister in der hannoverschen Innenstadt. Bei der traditionellen Übergabe erinnerte Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg an die Bedeutung der Elemente und deren Einfluss auf die Ernte: „Wir Landwirte sind gut ausgebildet. Wir managen unsere Höfe und können uns auf die Technik und auch unseren Fuhrpark verlassen. Aber die Zahl der Sonnenstunden und der Regenschauer sind nicht planbar. Insofern haben wir großen Respekt vor der Natur, mit der wir arbeiten und von der wir leben.“

Die Erntebilanz sei in diesem Jahr für die meisten Getreidesorten unterdurchschnittlich ausgefallen, sagte Kohlenberg. Die unstete Witterung hätte den Menschen auf den bäuerlichen Betrieben viel Kraft gekostet – und die Erwartungen an den Ernteertrag wurden vielerorts nicht erfüllt. Mit dem Erntefest erinnere das Landvolk Niedersachsen deshalb in diesem Jahr daran, dass ein guter und qualitativ hochwertiger Ertrag nicht selbstverständlich ist, und dass die Sicherung unserer Ernährung von vielen verschiedenen und oft auch nicht planbaren Faktoren abhängt.

Umso mehr wünschen sich die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, dass sie verlässliche Rahmenbedingungen bekommen. Was passiert, wenn das Fass durch die Politik plötzlich zum Überlaufen gebracht wird, haben zehntausende Bäuerinnen und Bauern von Ende 2023 bis ins Frühjahr hinein gezeigt mit Protesten gegen die durch das Kabinett der Ampelregierung verkündeten Steuererhöhungen einseitig zu Lasten der Landwirtschaft. Sie konnten sich dabei auf den Rückhalt großer Teile der Bevölkerung verlassen. Trotz aller aktuellen Probleme sollte sich der Berufsstand bewusst machen, dass die bäuerliche Arbeit vom größten Teil der Gesellschaft sehr geschätzt wird, so die einhellige Meinung.

Landesbischof Ralf Meister hat verkündet, dass er in den politischen und gesellschaftlichen Forderungen nach dem Schutz von Artenvielfalt, mehr Tierwohl und veränderter Landnutzung große Herausforderungen für Landwirte sieht. Viele Landwirtsfamilien fühlten sich überfordert und unzureichend entlohnt, so seine Beobachtung. Die Landwirtschaft müsse wirtschaftlich arbeiten, habe sich aber längst auf den Weg des Wandels gemacht, betonte Meister jetzt auch bei der Übergabe der Erntekrone.

Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies hat in einem Kommentar zum Erntedank in der aktuellen (heutigen) Ausgabe der Zeitschrift „Land und Forst“ darauf aufmerksam gemacht, dass „wir im Gegensatz zum kürzlich vorgelegten, abstrakten ‚Strategischen Dialog‘ der EU im Sinne unserer 74.000 Mitglieder unmittelbar mit der Landesregierung verhandeln, damit der Agrar- und Ernährungssektor so stark wahrgenommen und vor allem behandelt wird, wie es seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung entspricht.“ Daran dürfe auch zum Erntedank erinnert werden.

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