„Land-Grazien“ helfen Frauen im ländlichen Raum

Das Beratungsfeld der Land-Grazien erstreckt sich von den Schwerpunkten Bedrohung oder Verfolgung, Bewältigung von Gewalterfahrung, über Existenzsicherung und Bildungsberatung bis hin zur Unterstützung von Kindern Foto: Pixabay

Gewalt an Frauen: Beratungsmobil „kommt“ inkognito zu Betroffenen

L P D – Gewalt an Frauen hat viele Formen. Als Beratungsstelle für ALLE Frauen – vor allem im ländlichen Raum – bieten die „Land-Grazien“ ihre Hilfe an. „Aktuell sind wir mit unserem Beratungsmobil nur in Schleswig-Holstein unterwegs, digitale Anfragen erreichen uns aber aus ganz Deutschland. Deshalb versuchen wir Gelder zu akquirieren, um unser Beratungsangebot bundesweit ausweiten zu können“, erklärt Miriam Peters gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. Sie hat das Konzept für „Land-Grazien“ entwickelt und berät und begleitet seit März 2021 mit ihrer Kollegin Frauen im ländlichen Raum in allen Fragen rund um Gewalt. „Der Beratungsbedarf ist enorm und nimmt stetig zu. Bis zu acht neue Frauen melden sich pro Woche bei uns“, verweist die staatlich geprüfte Sozialarbeiterin auf die Notwendigkeit solcher niedrigschwelligen Angebote im ländlichen Raum.

Dazu gehört das Beratungsmobil, das als solches nicht zu erkennen ist. „Ich habe während meiner Tätigkeit festgestellt, dass Frauen oftmals keine Hilfsangebote aufsuchen, weil es schon an der Möglichkeit scheitert, unerkannt zur Beratungsstelle zu kommen. Zum einen, weil sie selbst kein Auto haben und öffentlich in den Bus steigen müssten, der aber abends nicht mehr zurückfährt, zum anderen, weil die gesellschaftliche Struktur in den Dörfern anders ist als in der Stadt. Hier beobachtet jeder jeden“, erklärt Peters. Auch die digitale Überwachung spiele heutzutage eine große Rolle. „Durch Ortungsdienste in Handys ist eine permanente Kontrolle möglich. Frauen sind dadurch eingeschüchtert und haben regelrecht Angst, Beratungsstellen aufzusuchen“, nennt Miriam Peters weitere Gründe, weshalb die Land-Grazien mit ihrem Beratungsmobil inkognito zu den Frauen kommen.

Getarnt als Handwerker-Bus mit wechselnder Werbung verabreden sich die Land-Grazien mit den hilfesuchenden Frauen an Plätzen, die zu deren Alltag gehören. Hier können sie – ohne einen Verdacht zu hegen und ohne Rechtfertigung – hinkommen: vor Kindergarten oder Schule, wenn das Kind abgeholt werden muss, oder ganz banal auf dem Supermarkt-Parkplatz. „Hinten im Mobil ist ein Beratungsbüro eingerichtet, um ungestört reden zu können“, erklärt Peters. Aktuell sei ein Viertel der Beratungssuchenden unter 18 Jahre alt. Das liege auch am niedrigschwelligen Zugang via Social Media, wo der Verein, der sich bislang aus Spenden- und Stiftungsgelder finanziert, auf Facebook und Instagram auf häusliche Gewalt aufmerksam macht und sich für ein selbstbestimmtes Leben für Frauen und Mädchen sowie deren Rechte einsetzt. Doch es sind meist Frauen zwischen 25 und 39 Jahren, die sich bei den Land-Grazien melden. „Doch Gewalt an Frauen hat keine Altersgrenze. Erst kürzlich hat sich eine 83-jährige Frau bei mir gemeldet, die jahrzehntelang Gewalt erfahren hat“, sagt Peters. Gründe für die Zunahme sieht die 33-Jährige in den Folgen von Corona und allgemein in den vielen Risikofaktoren, wie Sorgen, finanzielle Abhängigkeiten, Reizüberflutung durch Medien oder die Kita-Krise, die ein erhöhtes Stress- und Gewaltpotential mit sich bringen. „Ich wünsche mir, dass mehr Männer aufstehen und sagen, das kann so nicht weitergehen“, hofft Miriam Peters mit ihren „Land-Grazien“ auf weitere Unterstützung – nicht nur von Frauen.

Das Beratungsfeld der Land-Grazien erstreckt sich von den Schwerpunkten Bedrohung oder Verfolgung, Bewältigung von Gewalterfahrung, über Existenzsicherung und Bildungsberatung bis hin zur Unterstützung von Kindern. Wer mehr über die Land-Grazien erfahren möchte, kann am Montag, 29. April, beim Niedersächsischen LandFrauenverband Hannover dem Zoom-Vortrag von Miriam Peters online von 18 bis 19.30 Uhr folgen. Dieser ist öffentlich und kostenlos, um eine Anmeldung wird unter https://landfrauen-nlv.de/events/hingehoert-gewalt-gegen-frauen/ gebeten. (LPD 33/2024)

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…