Kohlenberg: Gewinne reichen oft nicht für Investitionen

"Aktuell ist es für Niedersachsens Landwirte ein Agrarstrukturverschlimmerungsgesetz. Wir haben unsere Knackpunkte von Beginn an benannt. Nun muss die Politik den Mut haben, Fehler zu korrigieren. Nur mit praxistauglichen Regeln kann das Ziel, bäuerliche Strukturen zu sichern, tatsächlich erreicht werden – andernfalls droht das Gesetz genau das Gegenteil zu bewirken", sagt Frank Kohlenberg, Landvolk-Vizepräsident. Foto: Landvolk

Kosten weiter auf hohem Niveau – Perspektive für hiesige Landwirtschaft gefordert

L P D – Parallel zu den laufenden Protesten und den Debatten um die Zukunft des Agrarwesens hat der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) jetzt die sogenannte Vorschätzung über die Entwicklung der Ergebnisse für das laufende Wirtschaftsjahr 2023/24 vorgelegt. Ebenso wie das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY), das in dieser Woche ebenfalls aktuelle Zahlen präsentiert hat, kommt der VLK zu dem Schluss, dass sich die Einkommenssituation der Landwirtinnen und Landwirte deutlich verschlechtern werde.

„Die Gewinne in der Landwirtschaft schwanken sehr stark“, erläutert dazu Frank Kohlenberg, Milchviehhalter im Landkreis Holzminden und neuer Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen. „Viele Landwirte haben Rücklagen und Altersvorsorge in ihre Betriebe gesteckt, um diese zu erhalten, viele haben aber auch aufgegeben. Von den Gewinnen sind eben auch die betrieblichen Kosten und Investitionen zu zahlen“, stellt Kohlenberg klar.

Der Landwirt wünscht sich, dass die Diskussion sachlich geführt wird und dass die Unternehmensgewinne, die im zurückliegenden Wirtschaftsjahr auf einem hohen Niveau lagen, mit den Kosten in Relation gebracht werden. Ein Familienbetrieb, von denen es in Niedersachsen rund 34.000 gibt, muss vom Gewinn auch die Lebenshaltungskosten und Einkommenssteuern bestreiten. Zudem müssen betrieblich bedingte Ausgaben wie Sozialversicherungen, die Mitversorgung des Altenteils, die Tilgung privater Darlehen und Zukunftsinvestitionen davon finanziert werden. Um die Landwirtschaft und Tierhaltung wie gefordert neu ausrichten zu können, ist ein Unternehmensergebnis von mindestens 100.000 Euro je Wirtschaftsjahr erforderlich. In Niedersachsen wird das Ergebnis je nach Branche voraussichtlich zwischen 60.000 und 100.000 Euro liegen; gut 30 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Die gestiegene CO2-Abgabe und höhere Transportkosten werden sich nach Angaben von Ernst & Young auf Betriebsmittel wie Heiz- und Kraftstoff sowie auf Strom auswirken. Nach einer Hochphase sind die Preise für Agrarprodukte in den vergangenen sechs Monaten wieder abgestürzt, die Kosten sind aber auf einem hohen Niveau geblieben. „Um unsere regionale Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern, brauchen wir endlich klare Perspektiven, weniger Vorgaben und eine vollständige Rücknahme der Streichung der anteiligen Agrardiesel-Steuerrückerstattung“, bekräftigt Kohlenberg in der laufenden Debatte um die Zukunft der heimischen Landwirtschaft, die in Niedersachsen nach der Autoindustrie zweitwichtigster Wirtschaftsfaktor ist. (LPD 05/2024)

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