Knallgelbe Rapsblüte begeistert Bienen und Bauern

Pro Hektar besteht das Blütenmeer aus 120-150 Millionen Blüten Foto: Landvolk

Gute Zusammenarbeit mit Imkern – Landwirte erhöhen Anbaufläche

L P DBei blauem Himmel ist der Kontrast zur gelben Blüte der Rapspflanzen besonders beeindruckend und begeistert Landwirte genauso wie Ausflügler in Feld und Flur. Pro Hektar besteht das Blütenmeer aus 120 bis 150 Millionen Blüten, aus denen sich möglichst viele Schoten mit den schwarzen ölhaltigen Körnern entwickeln sollen, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Die Bauern achten daher derzeit auf die knabbernden und saugenden Insekten, die von den Pflanzen angelockt werden. Bereits im Herbst hat eine große Anzahl an Rapserdflöhen an den Sprösslingen erhebliche Schäden verursacht. „Der Raps hatte dieses Mal einen besonders schweren Start“, erinnert sich Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr.

Der Landwirt aus dem Landkreis Wolfenbüttel hat die jungen Pflanzen und deren Widersacher intensiv beobachtet und bei Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Seit März wiederholt sich dieses Vorgehen mit dem Rapsstängelrüssler. „Dem Rapsglanzkäfer war es bisher zu kalt“, freut sich Löhr. Diese Insektenart gilt als größte Bedrohung der Rapsblüte, weil sie die Knospen von innen aushöhlt. „Sobald die Blüten geöffnet sind, nimmt der Rapsglanzkäfer dagegen seine Aufgabe als Bestäuber war“, beschreibt der Landvolk-Vizepräsident die erstaunliche Wandlung vom Schädling zum Nützling.

Hauptförderer der Bestäubung sind jedoch die Bienen, mit denen zahlreiche Imker gezielt zu den Feldern wandern. „Das ist eine gute Zusammenarbeit mit großen Effekten für beide Seiten“, sagt Jürgen Frühling, Vorsitzender des Landesverbandes Hannoverscher Imker. Die Bienen sorgten mit der umfangreichen Bestäubung für ein schnelleres Abblühen, dadurch hätten die Pflanzen mehr Zeit zur Ertrags- und vor allem zur Ölbildung. „Gut 25 bis 30 Prozent Mehrertrag sind dadurch möglich“, schätzt Frühling.

Um die Insekten zu schützen, werden die Pflanzenschutzmaßnahmen streng nach den Vorgaben des Bienenschutzes durchgeführt. „Die Landwirte wissen die Leistung der Bienen sehr zu schätzen“, lautet Frühlings Erfahrung. Im Gegenzug starten die fleißigen Insekten mit der Massentracht aus eiweißreichem Pollen gut in die neue Saison und verwandeln den Nektar daraus zu kostbarem Honig.

Neben der großen Aufmerksamkeit, die der Raps von der Saat bis zur Ernte einfordert, bietet er auch für die Landwirte viele Vorteile: „Durch sein intensives Wurzelwerk bereitet er den Boden optimal für die nachfolgenden Früchte vor und steigert damit indirekt auch deren Ertrag“, lautet Löhrs Erfahrung. Im Vordergrund steht jedoch die Ernte des Rohstoffs für die Ölgewinnung. „Jedes Rapskorn enthält 40 Prozent ernährungsphysiologisch besonders wertvolles Öl“, hebt Löhr hervor. Die Verbraucher könnten das derzeit durch den Krieg in der Ukraine fehlende Sonnenblumenöl daher leicht mit nachhaltigem Öl aus heimischem Anbau ersetzen. „Raps wird es genug geben“, ist er sich sicher.

Allerdings haben die Turbulenzen auf dem Weltmarkt dazu geführt, dass sich die Erzeugerpreise laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen von weniger als 400 Euro pro Tonne im Jahr 2020 nahezu verdoppelt haben und nun weiter steil nach oben steigen. Diese extreme Entwicklung konnten die Bauern in Niedersachsen – ebenso wie die die stark gestiegenen Preise für Dünger und Diesel – zur Aussaat zwar noch nicht absehen, sie haben jedoch auf die Tendenz zu steigenden Preisen reagiert und ihre Anbauflächen nach jahrelangem Abwärtstrend wieder erhöht. Insgesamt wurden im Herbst 2021 in Deutschland auf 1,1 Millionen Hektar Ackerland Winterraps für die Ernte Mitte August 2022 ausgesät. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, liegt die Aussaatfläche von Winterraps für die kommende Ernte damit um 86 700 Hektar (+8,7 %) über den Anbauflächen von 2021. Die größten Flächenveränderungen wurden aus den Ländern Niedersachsen (+13 300 Hektar), Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt (jeweils +11 900 Hektar) und Schleswig-Holstein (+11 400 Hektar) gemeldet. (LPD 31/2022)

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