Kirche und Landwirtschaft starten „Agrardialog“

Beim Agrardialog gaben (v.l.n.r.) Marcus Polaschegg von der LWK Niedersachsen, Landwirt Friedrich Helmke, Landwirtschaftspastorin Cornelia Möller, Sina Rolfsmeyer (LWK) sowie Thorsten Riggert vom Landvolk und Björn Rohloff (Stiftung Kulturlandpflege) Einblicke und Impulse aus ihrem jeweiligen Fachbereich Foto: Landvolk

Ökologisches Aufwerten von Pachtflächen gibt es nicht zum Nulltarif

L P D – Weil die Fragen zur Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen stark in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses gerückt sind, hat die Evangelische Landeskirche zusammen mit der Landwirtschaftskammer (LWK) und dem Landvolk Niedersachsen jetzt den „Agrardialog“ in Form eines Pilotprojekts gestartet. „Vielen ist nicht klar, welch vielfältige Funktionen die landwirtschaftlichen Nutzflächen erfüllen sollen“, sagte Dr. Ralph Charbonnier, theologischer Vizepräsident des Landeskirchenamtes der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, beim Auftakt in Bad Bevensen. Wasser- und Klimaschutz, Artenvielfalt und Biodiversität seien nur einige der großen Schlagworte, die mit der landwirtschaftlichen Erzeugung bestmöglich in Einklang gebracht werden sollten.

Björn Rohloff, stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen und selbst langjähriger Vorsitzender eines Kirchenvorstandes, stellte verschiedene Biodiversitätsmaßnahmen für Acker- und Grünland vor. „Es gibt viele Möglichkeiten für Kirchenvorstände, ihre Pachtflächen ökologisch aufzuwerten“, sagte Rohloff. „Wichtig ist, dass man den Weg gemeinsam mit den Pächterinnen und Pächtern geht und an einem Strang zieht. In unserer Kirchengemeinde haben wir zum Beispiel für sechs Jahre auf eine Erhöhung der Pachten verzichtet, und dafür haben die landwirtschaftlichen Betriebe Blühflächen in bestimmtem Umfang angelegt. Es werden Feldrandschilder aufgestellt, die das Gemeinschaftsgefühl in der Kirchengemeinde steigern und für alle Seiten das Image aufwerten“, erläuterte Rohloff. Hochwertiges Saatgut sei über Kollekten finanziert worden.

Thorsten Riggert, Uelzener Kreislandwirt und Mitglied im Vorstand des Landvolks Niedersachsen, lenkte den Blick auf finanzielle Notwendigkeiten: „Schutz und Erhalt der Biodiversität sind wichtig, aber auch mit erheblichen Kosten verbunden, die nicht allein von der Landwirtschaft getragen werden können.“ Riggert lobte den Ansatz des Agrardialogs: „Dieser Austausch ist mehr als wünschenswert, weil wir Landwirte zeigen können, was wir schon alles tun für die Artenvielfalt.“

Friedrich Helmke, Landwirt aus Suhlendorf im Landkreis Uelzen, berichtete von einem Projekt für Blühpatenschaften, das sich großer Beliebtheit erfreut. Menschen aus der Region können für 50 Euro eine Fläche von 100 Quadratmetern erwerben, die dann bunt bepflanzt wird. „Ein Glas Honig gibt es auch jeweils dazu“, so Helmke. Eine Schule hat einen Spendenlauf zum Wohl des Projekts initiiert, es gibt Ausstellungen im Heimatmuseum und Sommerfeste.

Ein Impulsreferat zur Einordnung der Ansprüche an die Fläche hielt Marcus Polaschegg von der LWK Niedersachsen. In Dialogrunden und mit einem abschließenden Podium wurden die Erkenntnisse vertieft und Beratungsangebote vorgestellt. Alle waren sich einig darüber, dass der Austausch wertvoll ist und in Form des Agrardialogs fortgesetzt werden soll.

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