Heckenpflege ist gelebter Naturschutz

Der Landkreis Vechta hat zu einem Seminar zur Pflege von Hecken unter naturschutzrechtlichen Aspekten eingeladen Foto: Rohloff/Stiftung Kulturlandpflege

Pilotprojekt in Vechta / Fortbildungen sollen in ganz Niedersachsen Schule machen

L P D – Typische Wall- und Feldhecken prägen Niedersachsen in großen Teilen und sorgen für den Schutz von Vögeln sowie Niederwild wie Hasen, Rebhühnern und Rehen. Um diese Strukturen zu erhalten, ist jedoch die Pflege entscheidend. Das bedeutet, die Büsche und Sträucher in ihrem Wachstum und Entwicklung zu fördern. Eine Maßnahme ist es, eine Hecke abschnittsweise alle paar Jahre „auf den Stock zu setzen“, also in Kniehöhe einzukürzen.

Der Landkreis Vechta hatte vor dem Hintergrund der Bedeutung von Hecken für die Biodiversität zu einem Seminar zur Pflege von Hecken unter naturschutzrechtlichen Aspekten eingeladen. Teilnehmende waren Bauhofmitarbeiter der Städte und Gemeinden sowie Wegegenossenschaften und Realverbände. „Hecken sind Hotspots der biologischen Vielfalt“, begründet Matthias Galle vom Landkreis Vechta die Veranstaltung, die durch das Projekt www.vielfalt-in-geest-und-moor.de/ veranstaltet und vom Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ gefördert wurde. Nach der theoretischen Wissensvermittlung zeigte ein forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer den Teilnehmenden am Nachmittag die praktische Umsetzung der Pflegemaßnahmen mit einer speziellen Pflegemaschine.

Auch in der Landwirtschaft kommt dieser Schritt des Landkreises gut an. Heckenpflege ist gelebter Naturschutz“, sagt Christoph Friederich, Pressesprecher des Kreislandvolkverbandes Vechta. Besonders schön sei es, wenn die Maßnahmen – wie in diesem Fall – in Kooperation und auf Augenhöhe stattfänden. „Denn Landwirte können Naturschutz“, sagt er. Sie haben die Flächen, um Ideen zur Förderung von Fauna und Flora umzusetzen, wollen eigene Projekte einbringen und mitbestimmen.

Aus diesem Grund hat der Landvolkkreisverband Vechta vor gut einem Jahr zudem den Verein „Land und Natur“ gegründet. Entstanden ist diese Idee aus den Erfahrungen der Bauern mit dem Projekt „Förderung der Artenvielfalt und der Biotopvernetzung in der Agrarlandschaft Niedersachsens“, kurz „FABiAN“. „Das ist der Weg, den wir gehen wollen“, sagt Friederich, der sich freut, dass das von der Bingo-Umweltstiftung geförderte Projekt bis 2025 verlängert wurde.

Ebenso könnte die Schulung im Landkreis Vechta eine Art Pilotprojekt für eine landesweite Ausdehnung der Fortbildungen für die naturschutzorientierte Heckenpflege sein, die bislang hauptsächlich in der Landschaftspflegeschule Geestenseth im Landkreis Cuxhaven stattgefunden haben. Seminarleiter Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege würde das sehr begrüßen. „Die Interessen der Landwirtschaft und des Naturschutzes sind bei diesem Thema gleichlautend“, sagt er.

Rohloff bedauert die momentane Entwicklung der Kulturlandschaft. „Es gibt eine Unwucht zu Lasten der Sträucher hin zu den Bäumen“, erläutert der Fachmann. Überließe man die Hecken sich selbst, würden sie sich über kurz oder lang zu Baumreihen entwickeln, die den Sträuchern Licht, Wasser und Nährstoffe entziehen. Die Folge: Die Büsche verschwinden und damit wertvolle Nistmöglichkeiten für Singvögel sowie notwendige Verstecke für das Niederwild. Im Theorieteil der Schulung hat Rohloff deshalb über gebietsheimische Gehölze, ihre Artenkunde im Winter und die einzusetzende Technik diskutiert und hofft, mit den Teilnehmenden wichtige Mitstreiterinnen und Mitstreiter für den Heckenschutz in Niedersachsen gefunden zu haben. (LPD 08/2023)

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