Geschlossen und entschlossen in die Zukunft blicken

Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies nutzt die virtuelle Mitgliederversammlung des Landvolk um auf politisch bedeutsame Weichenstellungen der nächsten Wochen und Monate hinzuweisen Foto: Landvolk Niedersachsen

Virtuelle Mitgliederversammlung des Landvolks Niedersachsen

L P DDie virtuelle Mitgliederversammlung des Landvolks Niedersachsen hat Präsident Dr. Holger Hennies (heute) dazu genutzt, auf die aktuelle Lage der Bäuerinnen und Bauern aufmerksam zu machen und auf politisch bedeutsame Weichenstellungen der nächsten Wochen und Monate hinzuweisen. Die Veranstaltung war von vornherein digital und ohne einen öffentlichen Teil geplant worden, da der Landesverband aus Anlass seines 75-jährigen Bestehens am 18. Februar 2022 zu einem Empfang und einer Jubiläumsfeier ins HCC Hannover einlädt. „Ich hoffe, dass wir dann unsere Delegierten sowie die Gäste aus Politik und Wirtschaft persönlich begrüßen können“, sagte Hennies dazu heute in seiner Begrüßung.

Die Pandemie wirkt sich auch auf die Arbeit des Verbandes aus. Viele Sitzungen und Veranstaltungen können nicht oder nur online stattfinden. Corona beeinflusst auch massiv die Abläufe auf den Höfen und wirbelt Märkte kräftig durcheinander. Die Lage vieler Betriebe ist ernst; die Stimmung auf den Höfen eher düster. „Umso wichtiger ist es, dass wir als Landesbauernverband geschlossen und entschlossen in die Zukunft blicken“, beschwor Hauptgeschäftsführer Helmut Brachtendorf in seinem Bericht die Delegierten. In dem Spannungsfeld der zahlreichen zu beackernden Themen seien das Landvolk und die Kreisverbände in Niedersachsen ein verlässlicher Begleiter und Ansprechpartner, so Brachtendorf.

Aktuell setzt sich das Landvolk vor allem für eine sinnvolle nationale Umsetzung der Vorgaben der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein. „Wir stehen am Scheideweg und wir nehmen die künftige Bundesregierung beim Wort. Die als Anreiz für eine Beantragung auf unseren Höfen unverzichtbare positive Einkommenswirkung von EU-Beihilfen reduziert sich durch den Beschluss der alten Bundesregierung im Durchschnitt dramatisch. Bei Milchviehbetrieben in den Grünlandregionen kann es vollkommen unwirtschaftlich werden, überhaupt noch EU-Beihilfen zu beantragen und die gewünschten zusätzlichen Umweltleistungen zu erbringen“, erklärte Hennies. Für den Landvolkpräsidenten wäre das ein Bankrott der deutschen Agrar- und Umweltpolitik.

Für die Zukunft der gesamten Landwirtschaft und damit auch für die Bäuerinnen und Bauern in Niedersachsen steht viel auf dem Spiel. Große Ziele wie der Klimaschutz, aber auch der Ruf nach Innovationen sowie nicht weniger als der gesamte Umbau der Tierhaltung kennzeichnen den von der künftigen Ampel-Bundesregierung vorgelegten Koalitionsvertrag in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung. Das Wort „Transformation“ beschreibt die Mammutaufgabe, bei der Landwirten einiges abverlangt werden wird.

Hennies wiederholte heute den Ruf nach einer Umstrukturierungsprämie für Schweine haltende Betriebe, da sich der Markt absehbar nicht entspannen werde und der Verbrauch seit Jahren sinke. Für die Landwirte sei die Kennzeichnung nach „5D“ wichtig und weiter eine bevorzugte Baugenehmigung für Ställe, um Tierwohlauflagen erfüllen zu können. „Wunsch und Wirklichkeit der Tierproduktion passen immer noch nicht zur Zahlungsbereitschaft der Verbraucher“, stellte Hennies fest. Er erinnerte an die vielen guten Vorschläge, gerade auch fürs Tierwohl, aus der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), die bisher noch keinen Niederschlag in den Absichtserklärungen der künftigen Regierung oder des designierten Bundeslandwirtschaftsministers gefunden hätten.

Weiter gearbeitet wird am Niedersächsischen Weg. Es sollen zusätzliche Ökologischen Stationen und eine Beratung für Landwirte außerhalb der Natura 2000-Gebiete eingerichtet werden. Das Wiesenbrüter-Schutzprogramm soll mit einem Kooperationsvorrang umgesetzt werden. Weitere Ziele sind die Ausweitung des Ökolandbaus und die Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, erläuterte Hennies. Für die Ackerbauern ist die Lage trotz der bestehenden, aber lösbaren Nährstoffproblematik weitestgehend akzeptabel, aber wegen der drückenden Kosten auch turbulent, führte der Landvolkpräsident aus. Die Klimaerwärmung und die Anpassung daran, CO2-Speicherung und -Effizienz, Vielfalt und neue Kulturen sind wichtige Themen, denen sich insbesondere auch die Bäuerinnen und Bauern stellen müssen, die in Moorgebieten oder auf Moorböden wirtschaften. „Hier fängt die Debatte erst an“, prophezeite Hennies. „Und bislang hat die Landwirtschaft in Niedersachsen immer eine Lösung gefunden. Wir stehen weiter dafür bereit.“ (LPD 93/2021)

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