GAP-Reform ab 2028: Landvolk warnt vor Unsicherheit und Kürzungen

Neue EU-Pläne könnten Agrarförderung und Zuständigkeiten grundlegend verändern

L P D – Niedersachsens Landwirte blicken etwas verunsichert auf die Reformvorschläge der EU-Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028. Wie aus der aktuellen Folge des Landvolk-Podcasts hervorgeht, plant Brüssel eine grundlegende Neuordnung des mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) – mit Folgen für Landwirtschaft, ländliche Räume und Zuständigkeiten innerhalb Deutschlands.

„Die Vorschläge der EU-Kommission sind mit Blick auf die Struktur des nächsten Mehr-jährigen Finanzrahmens und damit auch für die GAP weitreichend“, ordnet Eike Christian Grupe, Referent für Struktur- und Förderpolitik beim Landvolk Niedersachsen, die Pläne mit Moderatorin Wibke Langehenke ein. Künftig könnten die bisherige erste und zweite Säule der GAP aufgelöst und in einem großen nationalen und regionalen Partnerschaftsfonds gebündelt werden. In diesem Fonds würden neben Landwirtschaft auch Bereiche wie Regionalentwicklung, Sozialpolitik, Migration oder Grenzschutz zusammengeführt.

Damit verbunden sei nicht nur die Gefahr einer Kürzung des Agrarbudgets, sondern auch erhebliche Unsicherheit über künftige Zuständigkeiten. „Wenn künftig mehrere Ministerien und neue Ebenen beteiligt sind, stellt sich die Frage, ob die Verfahren einfacher oder eher noch komplexer werden“, erklärt Grupe im Podcast. Aktuell würden die Verhandlungen auf deutscher Seite maßgeblich über das Auswärtige Amt koordiniert.

Besonders kritisch sieht das Landvolk die finanzielle Perspektive für die ländlichen Räume. Zwar stelle die EU-Kommission insgesamt einen Rekordhaushalt in Aussicht, gleichzeitig drohten der GAP aber Kürzungen gegenüber der laufenden Förderperiode. Für die ländlichen Räume seien nur mündliche Zusagen gemacht worden, zusätzliches Geld für diese und Landwirtschaft bereitzustellen. „Gerade für die Entwicklung ländlicher Regionen fehlt bislang ein klares Signal“, macht Grupe deutlich.

Besonders weitreichende Folgen hätten Kappung und Degression der Basisprämie, falls die Kommission sich mit ihren Vorschlägen durchsetzt. Vorgesehen sind eine Degression der flächenbezogenen Einkommensstützung bereits ab 20.000 Euro sowie eine vollständige Kappung ab 100.000 Euro. Damit würden größere Betriebe künftig deutliche Kürzungen hinnehmen müssen.

Auch die bekannten Instrumente der GAP sollen neu geordnet werden. Die bisherige Konditionalität soll unter dem Namen „Farm Stewardship“ (verantwortungsvolle Bewirtschaftung) fortgeführt werden und könnte regional flexibler ausgestaltet werden als bisher. Gleichzeitig würden Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie Ökoregelungen stärker zusammengeführt. Zudem zeichnet sich eine neue Förderung für Junglandwirte ab.

Viele Details seien derzeit allerdings noch offen. Die EU-Kommission habe den Mitgliedstaaten bewusst große Spielräume bei der Ausgestaltung der Maßnahmen und der Mittelverteilung eingeräumt. „Was davon am Ende tatsächlich umgesetzt wird, lässt sich aktuell noch schwer abschätzen“, betont Grupe.

Ansprechpartnerin: Alisha Trilling, Tel.: 0511 3670431, alisha.trilling@landvolk.org

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…