Für die Milchbauern geht es ans Eingemachte

Manfred Tannen: "Rahmenbedingngen müssen nachhaltig verbessert werden." Foto: Landvolk Niedersachsen

Futterkosten explodieren – Landwirte fordern Beteiligung an Preisentwicklung

L P D – Die Futterkosten explodieren. Kraftstoffe, Gas und Strom werden immer teurer: Seit Monaten werden die Kosten der Milchbauern in Niedersachsen nicht ausreichend gedeckt. Grund: der Auszahlungspreis für die Milch steigt nur zeitverzögert. „Wir stehen exorbitanten Kostensteigerungen gegenüber, aber der Milchpreis hat sich bisher nicht in dem nötigen Maße verbessert “, sagt Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen, der den aktuellen Unmut seiner Berufskollegen aus eigenem Erfahren nachvollziehen kann. „Es geht jetzt ans Eingemachte“, weiß der Milchviehhalter aus Ostfriesland. Liquidität sei gerade im Frühjahr/Frühsommer besonders wichtig – die Flächen müssen gepflegt, gedüngt und die Grünlandernte muss eingefahren werden.

Auslöser für die hohen Preise beim Milchleistungs- und Ergänzungsfutter sind die gestiegenen Getreidepreise und vor allem die deutliche Verteuerung von Soja- und Rapsschrot. „Beide sind nur knapp verfügbar und so teuer wie noch nie in diesem Jahrtausend“, berichtet Frank Feuerriegel, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Die Grundfuttersituation ist nach Angaben des Fachmanns als sehr heterogen zu bezeichnen: „Während der Niederschlag der vergangenen Monate den Flächen sichtlich gutgetan hat, sorgen die zuletzt niedrigen Temperaturen in einigen Regionen für gebremstes Wachstum. Vielfach konnte durch die anhaltenden Niederschläge verspätet gemäht werden. Die dadurch verlängerte Saison führt regional zu Versorgungslücken bei Silage, Heu und Stroh.“ Hinzukommt, dass die Molkereien zwar im Export höhere Erlöse aufgrund gestiegener Notierungen bei Pulver, Butter und Käse erzielen, aber diese durch hohe Fracht- und Logistikkosten zumeist wieder aufgezehrt werden. Der durchschnittliche Milchauszahlungspreis in Niedersachsen lag im ersten Quartal 2021 nur drei Prozent über dem durchschnittlichen Mittel des Jahres 2020.

„Auch schon kurzfristig ist eine deutliche Anhebung des Auszahlungsniveaus der Molkereien je Liter nötig, um alle Kosten zu decken und wirtschaftlich arbeiten zu können. Hier müssen Erzeuger besser an künftigen Wertschöpfungsmodellen beteiligt werden. Zudem sollten die Molkereien ihre Maßnahmen zur Preisabsicherung im Sinne der Erzeuger ausbauen“, erklärt Manfred Tannen, der auch Vorsitzender im Milchausschuss des Landvolks Niedersachsen ist. „Denn die steigenden Kosten sind nicht das einzige Problem, das wir bewältigen müssen. Hinzu kommen Unwägbarkeiten bei Fragen der künftigen Grünlandförderung und neue Auflagen für das Tierwohl.“

Die Milchbauern sind mit viel Herz bei der Arbeit, bekräftigt Tannen. „Aber jetzt müssen unsere Rahmenbedingungen nachhaltig verbessert werden, um den Strukturwandel nicht noch weiter zu beschleunigen.“

In einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten aus Niedersachsen weist Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies aktuell darauf hin, dass die heute im Bundestag zu beschließenden Gesetzentwürfe zur Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) in Deutschland ab 2023 die Anerkennung und faire Honorierung der Leistungen der Betriebe für Klima- und Naturschutz vermissen lassen. Die Umsetzung der GAP dürfe nicht auf dem Rücken der Milchviehhalter ausgetragen werden. (LPD 43/2021)

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Sonja Markgraf

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