Frauen stehen in der Landwirtschaft ihren Mann

Frauen gehen mutig an die vielfältige Arbeit auf einem Bauernhof heran und haben auch keine Angst, sich im Stall dreckig zu machen (im Bild Franziska Löhr) Foto: Landvolk

Zahl der designierten Hofnachfolgerinnen und weiblichen Auszubildenden steigt

L P D – Frauen gehen mutig an die vielfältige Arbeit auf einem Bauernhof heran und haben auch keine Angst, sich im Stall dreckig zu machen. „Der Beruf definiert das gesamte Leben“, fasst Franziska Löhr zusammen. Die 21-Jährige absolviert derzeit ihr drittes Lehrjahr zur Landwirtin auf einem Hof mit Kühen, Hühnern und Ackerbau in der Region Hannover. „Das Vorurteil, dass Frauen das nicht können, ist überholt“, lautet ihre Erfahrung. Das spiegelt sich auch in der Zusammensetzung ihrer Berufsschulklasse wider, in der ein Viertel Schülerinnen sind. „Die Gemeinschaft unter Landwirten ist etwas Besonderes – Frauen auf dem Trecker sind es nicht mehr“, bestätigt Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr.

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen der gefühlten und der rechtlichen Position. In einer Studie zur „Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft“, die vom Deutschen Landfrauenverband initiiert und vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft sowie der Universität Göttingen durchgeführt wurde, gaben zumindest 72 Prozent der Frauen an, an strategisch-unternehmerischen Entscheidungen beteiligt zu sein. „Frauen verstehen sich oft als (Mit-)Unternehmerin, sie sind aber häufig rechtlich nicht am Hof beteiligt“, sagte Dr. Hiltrud Nieberg, Leiterin des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft, als sie die Studie bei der DLG-Wintertagung vorstellte. Von den 7.345 befragten Frauen gehörten nur elf Prozent der gesamte Betrieb, weiteren 24 Prozent gehörte zumindest ein Teil der Flächen oder Gebäude.

„Trotz ihrer hohen Arbeitsmotivation, ihres großen Einsatzes für Betrieb und Familie verfügen nur wenige der befragten Frauen über Betriebseigentum, die soziale Absicherung ist in vielen Fällen unzureichend, obwohl sie in den verschiedensten Rollen maßgeblich zum Haushaltseinkommen in den landwirtschaftlichen Familien beitragen“, fasst Nieberg zusammen. Die befragten Frauen erlebten in der Mehrheit die Rollen- und Aufgabenvielfalt als erfüllende Herausforderung – manchmal jedoch auch als große Belastung und Überforderung. „Familien- und Partnerschaftsmodelle sind noch traditionell gefärbt, so dass junge Frauen nur selten zu Hoferbinnen sozialisiert werden“, bemängelt Nieberg.

2020 waren 335.400 Frauen offiziell in der Landwirtschaft tätig (das sind 36 Prozent aller Arbeitskräfte). Fast die Hälfte (43 %) davon als Familienarbeitskräfte, ein gutes Drittel als Saisonarbeitskräfte (35 %) und mehr als ein Fünftel (22 %) als ständige Arbeitskräfte. „Dabei fehlen Frauen, die nicht offiziell mitarbeiten, aber trotzdem einen Beitrag leisten zum Beispiel im Altenteil“, erläutert Nieberg. Nur elf Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Sowohl 17 Prozent der Auszubildenden zur Landwirtin als auch der designierten Hofnachfolger sind weiblich. „Meiner Meinung nach sollte die Person den Hof übernehmen, die die besten Konzepte hat, unabhängig vom Geschlecht“, wirbt Nieberg für eine gleichberechtigte Zukunft in der Landwirtschaft. Die Studie zeige, dass ein Wandel möglich sei.

So wie im Elternhaus von Franziska Löhr, die mit zwei weiteren Schwestern aufgewachsen ist. Die junge Frau plant, nach dem Studium der Agrarwissenschaften den Hof zu übernehmen und ihn neben dem traditionellen Ackerbau, Hähnchenmast, Biogas und Photovoltaik auch in der Fruchtfolge breit aufzustellen. „Wenn ich denn Abnehmer für meine Erzeugnisse finde“, denkt sie schon einen Schritt weiter. Die Kühe des Ausbildungsbetriebes werde sie jedenfalls vermissen – auch wenn man aus dem Kuhstall selten sauber herauskomme. (LPD 19/2023)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Wiebke Molsen

Redakteurin

Tel.: 0511 36704-30

E-Mail-Kontakt

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…