Es ist vielerorts zu trocken, Futtermittel werden knapp

Regional ist die Grasernte auf Grund der Niederschläge sehr unterschiedlich Foto: Landvolk

Erste Grasbestände verdorren – Große Sorge um den Mais

L P D – Vielerorts bereitet das Grundfutter vor allem den Haltern von Kühen und Rindern große Sorgen. Durch eine regional sehr unterschiedliche Niederschlagsmenge und -verteilung ergibt sich in Niedersachsen aber kein einheitliches Bild zu den bislang geernteten Grasmengen und Qualitäten. Während im Norden die Rinderhalter zufrieden auf die bisherige Erntebilanz schauen, ist die Lage im Süden Niedersachsens deutlich angespannter. „Hier ist bei den Masseerträgen eindeutig die fehlende Regenmenge der begrenzende Faktor gewesen“, erläutert Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen, „Zurzeit verschärft sich diese Situation, da auch in der Prognose keine nennenswerten Wassermengen vorhergesagt sind und erste Grasbestände regelrecht verdorren.“

Das bestätigt auch Monika Hintze. Die Viehhalterin aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg berichtet: „Bei uns war der erste Grasschnitt gut, der zweite in Ordnung und der dritte unbrauchbar.“ Zum Glück gebe es auf dem Hof im östlichen Niedersachsen noch ausreichend Vorräte, so die Bäuerin. Sollte es nächstes Jahr aber wieder so wenig Erträge geben, müssten der Bestand von jetzt 800 Kühen, Bullen, Färsen und Kälbern wohl reduziert werden. Grundfutter hinzuzukaufen ist wegen der aufwändigen Logistik keine einfache Sache und auch betriebswirtschaftlich unattraktiv. Im Jahr 2021 konnten die Futterbaubetriebe nach mageren Jahren wieder größere Reserven für ihre Rinderherden bilden, wenn auch mit unterdurchschnittlichen Qualitäten.

Auf dem Betrieb von Anita Lucassen zeigt sich die Lage im nördlichen Landkreis Cloppenburg entspannter: „Hier hat es insgesamt genug geregnet. Durch die jetzt trockene Witterung konnten wir gut Heu ernten, insgesamt 150 Rundballen, und es kommt noch mehr dazu. Das können wir in anderen Jahren nicht so gut, wenn es öfters regnet.“

Große Sorgen machen sich die Landwirte fast überall um die wichtige Futterpflanze Mais, die im September zur Ernte ansteht. „Gerade jetzt zur Kolbenbildung und Stärkeeinlagerung weist der Mais nochmals einen erhöhten Wasserbedarf auf, die Bodenvorräte sind aber vielerorts bereits erschöpft“, erläutert Manfred Tannen. Der Mais gilt in der Rinderfütterung durch seinen Stärkegehalt als ideale Ergänzung zum eiweißreichen Grünlandaufwuchs.

Bei allen Sorgen ums Futter lenkt Martin Lüking, Vorsitzender des Rindfleischausschusses im Landvolk Niedersachsen, den Blick noch auf einen anderen Aspekt: „Wir erzielen seit einiger Zeit gute Preise für das Kilo Rindfleisch. Wegen des starken Preisanstiegs zum Beispiel in den Bereichen Energie, Düngemittel und Kraftfutter können unsere Betriebe aber davon kaum profitieren.“ (LPD 62/2022)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Sonja Markgraf

Pressesprecherin

Tel.: 0511 36704-31

E-Mail-Kontakt

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…