Beruhigungspillen für die Landwirtschaft?

Auch die ausufernde Bürokratie hat Landwirtinnen und Landwirte in Niedersachsen auf die Strassen gebracht Foto: Landvolk

Landvolk sieht Erfolge, aber die Vorschläge der EU- und Bundes-Politik mit Skepsis

L P DViel Bewegung ist aktuell in der Landwirtschaft: Die Bauern sind seit Wochen auf Straßen und in Fußgängerzonen unterwegs, und in der Agrarpolitik werden verschiedenste Möglichkeiten ausgelotet, was im Sinne der Landwirtschaft umgesetzt werden kann, um die Bauern wieder zur Ruhe zu bringen. „Wir sehen zaghafte Ansätze von einigen Bundesländern wie Niedersachsen, etwas konkreter über die anderen Themen zu beraten, die unsere Mitglieder und andere Branchen auf die Barrikaden bringen wie die weiter, unaufhörlich ausufernde Bürokratie. Wir können aber auch hier nicht sicher sein, dass dies nur eine Beruhigungspille beispielsweise für die anstehende Europawahl sein soll. Außerdem gibt es seit Jahren kaum noch Einigkeit zwischen den Bundesländern und dem Bund“, erklärt Landvolkpräsident Holger Hennies. Als ersten Schritt in die richtige Richtung bewertet Hennies die jüngsten Ergebnisse in Brüssel.

Die Rücknahme von Vorschlägen der EU-Kommission über völlig überzogene pauschale Verbote beim Pflanzenschutz in der Landwirtschaft wertet das Landvolk als Erfolg für eine stabile, krisenfeste Lebensmittelversorgung aus heimischer Produktion. „Wir haben hier nach großen Anstrengungen deutlich machen können, dass mit dieser Verbotspolitik vielen Landwirten aber auch der Bevölkerung ein ganz schlechter Dienst mit sehr zweifelhaften Vorteilen für Naturschutz und Klimaschutz erwiesen worden wäre. Sollte es nach der Europawahl einen neuen Anlauf geben, müssen die Ziele und die Umsetzung von Reduktionsschritten im Pflanzenschutz mit den Landwirten und Umweltorganisationen gemeinsam erarbeitet werden – wie beim Niedersächsischen Weg“, setzt Hennies auf ein Umdenken auf EU-Ebene.

Noch nicht am Ziel, aber zumindest mit einem ersten Schritt in die richtige Richtung sieht das Landvolk die EU bei der Frage der Nutzung moderner Züchtungstechnologien. „Wir begrüßen, dass eine leider nur knappe Mehrheit im Parlament neue genomische Züchtungstechniken (NGT) zulassen will. Das fordern wir seit Jahren, denn bessere Kulturpflanzen werden dringend gebraucht, um die Lebensmittelversorgung auch bei weiterer Erderwärmung sicherzustellen und gleichzeitig besser den Anforderungen im Natur- und Umweltschutz gerecht werden zu können. Trockentolerantere Pflanzen können in Zukunft die Erträge in Dürrephasen sichern. Und um den Forderungen nach immer weniger Pflanzenschutz gerecht zu werden, braucht es krankheitsresistentere Sorten, welche mit den NGT schneller auf dem Markt sein können“, erklärt Hennies. „Wir brauchen in der Politik eine breite Akzeptanz beim Einsatz von Biotechnologie in der Landwirtschaft, damit wir uns zukunftsfähig aufstellen können“, zeigt der Landvolkpräsident abschließend auf. (LPD 12/2024)

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