Agrardiplomaten informieren sich über Landwirtschaft

Dr. Holger Hennies mit Agrardiplomaten und DBV-Präsident Joachim Rukwied Foto: Landvolk Niedersachsen

Landvolkpräsident Hennies empfängt Delegation in Niedersachsen

L P DDie Tierhaltung ist das Rückgrat der deutschen Landwirtschaft – und ausgerechnet diese steht mit der Schweinehaltung derzeit vor einem herben Strukturbruch. „Niedersachsens Landwirtschaft generiert seine Wertschöpfung zu 75 Prozent aus der Tierhaltung“, sagte Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies gegenüber einer Delegation von rund 25 Teilnehmern aus Diplomatenkreisen und DBV-Präsident Joachim Rukwied. Der Preisverfall auf dem Schweinemarkt stelle ganze Landstriche vor riesige Probleme. „Der ländliche Raum ist da stark, wo die Landwirtschaft stark ist“, machte er vor den internationalen Gästen aus verschiedensten Botschaften deutlich.

Die Frage, wie trotz sinkender Tierzahlen die Wertschöpfung in der Region gesichert werde, könne nur durch eine höhere Entlohnung pro Tier beantwortet werden. „Wir stehen deshalb voll hinter dem Borchert-Plan“, verdeutlichte Hennies. Durch ihn sollen die Tiere mehr Tierwohl und ihre Halter mehr monetäre Wertschätzung erhalten. Das Problem: Derzeit ist es nahezu unmöglich, für einen Tierwohlstall eine Baugenehmigung zu erhalten. „Die Landwirte haben einen massiven Schaden, verdienen kein Geld und haben keine Perspektive“, sagte Hennies. Da sei es kein Wunder, wenn sie ihre Höfe aufgäben. Er forderte die Politik, die Verbraucher und den Handel auf, ihrer Verantwortung für den gesamten Haltungsbereich gerecht zu werden.

„Der Verbraucher kann Impulse geben und Wünsche äußern, Lösungsvorschläge müssen jedoch aus der Wissenschaft kommen“, bekräftigte Dr. Christian Sürie, Leiter des Forschungsgutes Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, als er die Delegation durch die Ställe führte. Er veranschaulichte diese Forderung am Beispiel der Hühnerhaltung: Ob ein Huhn im wohltemperierten Stall mit sauberer Einstreu, Futter und Wasser zur freien Verfügung es besser habe, als ein Huhn im Freiland, das sich mit Regen, Hitze, Parasiten und Raubvögeln auseinandersetzen muss, sei für Laien nur schwer objektiv zu beurteilen.

Zudem gäbe es zwischen Umwelt- und Tierschutz zum Teil erhebliche Unterschiede. Die mittlerweile in Deutschland verbotene Käfighaltung sei zum Beispiel die umweltfreundlichste Art der Legehennenhaltung gewesen, aus Tierschutzsicht sei das Verbot jedoch richtig gewesen. Er stimmte Hennies zu, dass die Landwirte 20 Jahre Planungssicherheit bräuchten, wenn sie einen neuen Stall bauen. „Das ist was anderes als ein Tapetenwechsel im Wohnzimmer“, stellte er klar. Zweites großes Thema der Exkursion war der Klimawandel und seinen Präventionsmaßnahmen. „Niedersachsen ist mit 300.000 Hektar (ha) Mooren und nochmals 300.000 ha kohlenstoffreichen Böden besonders stark betroffen“, verdeutlichte Hennies. Eine Wiedervernässung koste durch ihre extremen Auswirkungen auf die Landwirtschaft, aber auch auf Straßen und Siedlungen etwa eine Milliarde Euro. Er forderte daher ein klares Bekenntnis der Politik. „Die ländliche Bevölkerung muss einbezogen werden, anstatt sie am langen Arm verhungern zu lassen, wie derzeit“, sagte er. Der Niedersächsische Weg habe gezeigt, wie Konflikte konstruktiv gelöst werden können. „Landwirte müssen für Naturschutz belohnt werden, anstatt sie mit immer neuen Auflagen zu bestrafen“, forderte er dazu auf, gegenseitige Ziele als berechtigt anzuerkennen. (LPD 76/2021)

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