Holzrücken mit Pferden macht nicht reich – aber glücklich

Arne Oppermann
Für Arne Oppermann ist das Holzrücken mit Pferden weit mehr als ein Beruf – es ist Überzeugung, Naturschutz und Lebensglück zugleich Foto: Landvolk

Für Arne Oppermann ist es gelebte Tradition und eine Herzensangelegenheit

L P D – Wenn Arne Oppermann mit seinen beiden süddeutschen Kaltblütern in den Wald fährt, dann ist das mehr als reine Forstarbeit. Es ist ein Zusammenspiel aus Erfahrung, Vertrauen und echter Leidenschaft. Der gebürtige Einbecker hat Landwirtschaft gelernt, Agrarwirtschaft studiert und viele Jahre Verantwortung getragen – zunächst auf einem eigenen Pachtbetrieb in Mainfranken, später 21 Jahre lang als Wirtschaftsleiter des Versuchsguts Relliehausen der Universität Göttingen. Dort wurde unter seiner Betriebsleitung unter anderem eine Biogasanlage neu gebaut und die komplette Schweineanlage grundsaniert. Eine besondere Leidenschaft war für Oppermann die Ausbildung junger Menschen für den Beruf des Landwirts. Doch auch die Arbeit mit Tieren ließ ihn nie los.

Heute hat sich der 64-Jährige aus Relliehausen mit seinen Kaltblütern selbstständig gemacht – als Dienstleister im Forst- und Naturschutz. Die Initialzündung kam mit Ochse „Viktor“, den er als Jungtier mit der Hand aufzog. „Und weil jedes Tier bei uns auf dem Hof eine Aufgabe hat, bildete ich ihn zum Zugochsen aus“, berichtet Oppermann. Letztendlich war er aber mehr Hobby und Herzenstier, denn als Zugochse schaffte er bei der Akkordarbeit im Wald zu wenig. Im Winter rückt Oppermann mit den Pferden Veitel und Bene Holz aus dem Wald, im Sommer mäht und pflegt er sensible Naturschutzflächen oder walzt Adlerfarn dort nieder, wo kein Schlepper mehr hinkommt. „Ich arbeite ein bisschen wie früher die Amish-Leute“, sagt Oppermann schmunzelnd. „Nur, dass ich einen motorgetriebenen Mäher habe, der von den Pferden gezogen wird.“

Bis zu fünf Festmeter Holz pro Stunde zieht ein Pferd an die Rückegasse. Nach drei bis vier Stunden wird gewechselt, damit die Tiere nicht überlastet werden. Zwischen 15 und 20 Kilometer läuft Oppermann dabei täglich selbst mit durch den Wald. „Das merkt man in den Beinen schon ordentlich.“ Die 800 bis 850 Kilogramm schweren Kaltblüter ziehen dabei rund 15 bis 20 Prozent ihres eigenen Körpergewichts den ganzen Tag problemlos. Im Normalfall wird das Vorliefern des Stammholzes nach Festmeter abgerechnet, in besonders schwierigem Gelände, oder bei sehr weiten Rückewegen wird die Bezahlung nach Arbeitsstunde angestrebt.  Mit einem Pferd kostet die Arbeit etwa 65 Euro pro Stunde, mit einem Zweispänner rund 85 Euro – Anfahrt noch nicht eingerechnet.

Gearbeitet wird mit klaren Kommandos und viel Vertrauen – „wiest“ bedeutet links, „hott“ rechts. Die Tiere kennen ihren Job genau und gehen im Wald meist nur mit einer Leine, der sogenannten Stoßleine. „Wir arbeiten sehr gut zusammen. Sie machen das, was ich verlange, weil sie Vertrauen zu mir haben.“ Besonders wichtig sei ruhiges Arbeiten im Wald. Mit einem sogenannten Schwebeortscheid wird verhindert, dass sich das Ortscheid bei der Leerfahrt ohne Last im Unterholz verhakt. So kann Oppermann mit den Pferden schnell und bodenschonend arbeiten.

Die Nachfrage nach der umweltschonenden Arbeit wächst. Besonders in Ruhewäldern oder auf sensiblen Flächen setzen Förster und private Waldbesitzer zunehmend auf Pferde. Dennoch bleibt die Wirtschaftlichkeit schwierig. Ausschreibungen gebe es kaum, Aufträge liefen fast ausschließlich über Mundpropaganda. Allein die vorgeschriebene PEFC-Zertifizierung koste jährlich bis zu 500 Euro, berichtet Oppermann. Förderprogramme zur Pferderückung wie in Bayern oder Thüringen fehlen in Niedersachsen bislang völlig.

„Reich wird man damit nicht“, sagt Oppermann offen. „Aber die tägliche Arbeit mit diesen wundervollen Tieren gibt mir Kraft und Resilienz. Sie gibt mir unglaublich viel zurück.“ Heute arbeitet Oppermann bundesweit, oft mehrere Wochen am Stück unterwegs mit Pferd, Hänger und Adlerfarnwalze. Für ihn ist das Holzrücken mit Pferden deshalb weit mehr als ein Beruf – es ist Überzeugung, Naturschutz und Lebensglück zugleich. (LPD 37/2026)

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org

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