Wegraine fürs Rebhuhn aufzuwerten, kostet Geld

Bereits zum fünften Mal fand die alljährliche Radtour rund um Natur- und Klimaschutz im Weserbergland statt. Thematischer Schwerpunkt war dieses Jahr das Rebhuhn. Foto: Landvolk Niedersachsen

Niedersachsen fehlen Förderinstrumente für die naturschutzgerechte Wegrandpflege

L P DLandwirte, Naturschützer, Imker, Jäger und Kommunalpolitiker rund um Bad Nenndorf im Landkreis Schaumburg kommen alljährlich vor Ort zusammen, um sich über die verschiedenen Naturschutzmaßnahmen zu informieren und gemeinsam zu beraten, was sinnvoll ist. Bereits zum fünften Mal fand die alljährliche Radtour rund um Natur- und Klimaschutz im Weserbergland statt. Thematischer Schwerpunkt war dieses Jahr das Rebhuhn. „Das Rebhuhn benötigt eine strukturreiche Landschaft aus Ackerflächen, Brachen, Hecken und kleinen Gehölzen mit einer hohen Artenvielfalt an Pflanzen und Insekten, die Nahrung, Schutz und Brutplätze bietet. Das unterstützen wir Landwirte im Rahmen des Niedersächsischen Weges gern, aber es bedarf einer gesicherten Finanzierung durch das Land Niedersachsen“, erklärt Achim Pohl, Vorsitzender im Landkreis Schaumburg beim Kreislandvolkverband Weserbergland.

Auf der sieben Kilometer langen Route wurden die örtlichen Gegebenheiten begutachtet, jedes Jahr wechseln sich Landwirtschaft und Naturschutz in Schaumburg bei der Organisation der Veranstaltung ab. Dieses Mal konnten die Teilnehmer feststellen, dass das einst vom Aussterben bedrohte Rebhuhn wieder in größerer Anzahl in Feld und Flur anzutreffen ist. Dafür seien schnell neue Förderinstrumente erforderlich, um langfristig die naturschutzfachliche Aufwertung und Pflege von Wegrändern zu finanzieren. Pohl kritisiert, dass es beim Niedersächsischen Weg zu sehr um theoretische Konzepte und zu wenig um Finanzierungsmöglichkeiten von konkreten Maßnahmen gehe. „Wir Landwirte sind bereit, unseren Beitrag dazu zu leisten, aber dieser Mehraufwand muss dementsprechend honoriert werden, und zwar, ohne dass die Landwirte hinter ihrem Geld hinterlaufen müssen“, fordert Pohl das Einlösen des Finanzierungsversprechens ein.

Björn Rohloff, stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege, sieht das ebenfalls so: „Nur im Zusammenspiel von Landwirtinnen und Landwirten, Kommunen und Realverbänden schaffen wir es, die Wegränder in Niedersachsen für mehr Artenvielfalt aufzuwerten und rufen deshalb jetzt schon dazu auf, auch im nächsten Jahr wieder gemeinsame Wegeschauen mit allen Akteuren zu planen und dabei Pflegekonzepte zu entwickeln.“ Gemeinsam mit der Stiftung Kulturlandpflege hatte das Landvolk Niedersachsen einst die Wegrandinitiative gegründet (www.wegraender.de).

Auch bei der Verwertung oder Entsorgung von Mahdgut, was bei einer naturschutzfachlichen Wegrandpflege regelmäßig anfällt, wird die Finanzierungsproblematik deutlich. Diese Entsorgung ist mit erheblichen Kosten verbunden und oft ein Hindernis für Kommunen, überhaupt bei der Wegrandaufwertung aktiv zu werden. „Für dieses Problem brauchen wir eine politische Lösung, das Land muss die Kommunen und Landwirte besser bei der Mahdgutverwertung bzw. -entsorgung unterstützen“, sieht der Schaumburger Vorsitzende auch hier die Politik in der Pflicht, unterstützend tätig zu werden. (LPD 72/2024)

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