Bauck: „Öko-Bauern müssen wach bleiben“

Carsten Bauck: "Das A und O für uns Ökobauern ist die Direktvermarktung. Hier ist die Wertschöpfung für die Bauern am größten. Wir müssen dem Verbraucher deutlich machen, dass gute ökologische Landwirtschaft vor allem über die direkte Nachfrage zustande kommt.“ Foto: Landvolk

Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt wieder / Kaufverhalten spielt große Rolle

L P D – Die großen Regenmengen stellen viele Landwirtinnen und Landwirte derzeit vor große Herausforderungen. Besonders betroffen sind zahlreiche Bio-Bauern, berichtet Carsten Bauck, Vorsitzender des Ökolandbau-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen. Diese aktuelle Herausforderung trifft auf einen Markt mit endlich wieder steigender Nachfrage. „Wir können uns darauf nicht ausruhen, wir müssen wach bleiben“, sagt Bauck. Den Ökobauern aus Niedersachsen nützt der Trend nur dann etwas, wenn einheimische Ware gekauft wird. Aktuell stecken noch Kartoffeln, Rote Bete und Möhren bei der Nässe im Acker, und das biologisch angebaute Getreide konnte zuletzt oft nur als Futtergetreide am Markt platziert werden. Überhänge können den Discountern angeboten werden, die verstärkt auf „Bio“ setzen. „Das ist eine Sogwirkung, die uns derzeit hilft. Das kann aber auch schnell wieder kippen, wenn die Händler die Ware woanders deutlich günstiger bekommen können“, warnt der Ökobauer aus dem Landkreis Uelzen.

Nach dem Corona-Hoch und der folgenden Delle im Jahr 2022 steigt laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln wieder an. Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) legten die Bio-Umsätze laut BÖLW um 7,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro zu. Der größte Anteil an den Umsätzen entfiel mit 40 Prozent auf die Discounter. Bio-Läden und Bio-Supermärkte konnten 2023 ihre Umsätze aber nur leicht steigern, das Wachstum der Bio-Branche beruht vor allem auf gestiegenen Preisen.

Wie nachhaltig ist es also für die Bio-Branche insgesamt, über die Discounter-Strukturen zu wachsen? „Das A und O für uns Ökobauern ist die Direktvermarktung. Hier ist die Wertschöpfung für die Bauern am größten. Wir müssen dem Verbraucher deutlich machen, dass gute ökologische Landwirtschaft vor allem über die direkte Nachfrage zustande kommt.“ Nur mit dem Direktkauf beim Bio-Bauern bzw. im Fachhandel unterstütze der Kunde die Öko-Landwirtschaft mit ihren kleinteiligen Strukturen und alles, was hinter „Bio“ steht – wie mehr Tierwohl und die Förderung der Artenvielfalt.

„Kauft der Kunde im Discounter die Bio-Lebensmittel, dann stärkt er die Kette im großen System“, erklärt Bauck. Die Politik könne hierfür den Absatz von Bio-Produkten fördern, dürfe aber nicht mit einer Anbauförderung in die sensiblen Strukturen des Biomarktes eingreifen. „Wir müssen dem Verbraucher klarmachen, dass er mit seinem Kaufverhalten einen Prozess auslöst, der Auswirkungen auf die gesamte Bio-Branche hat“, bekräftigt Bauck abschließend. (LPD 14/2024)

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