Erschwernisausgleich bis Ende Juni beantragen

Bäuerinnen und Bauern aus Niedersachsen haben erstmals die Möglichkeit, für wirtschaftliche Nachteile des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel auf Ackerflächen und in Dauerkulturen in Naturschutzgebieten, eine von Bund und Land finanzierte Ausgleichszahlung zu erhalten Foto: Landpixel

Landwirtschaft in Naturschutzgebieten soll erhalten bleiben

L P D – 5,5 Prozent der Fläche Niedersachsens ist gesetzlich als Naturschutzgebiet streng geschützt – das sind 292.000 Hektar oder umgerechnet eine Fläche von mehr als 400.000 Fußballfeldern. Diese Gebiete sind weitgehend gleichzeitig ein europäisches Schutzgebiet (Natura 2000). Ein erheblicher Teil dieser Flächen wird traditionell schon aus der Zeit vor der „Unterschutzstellung“ landwirtschaftlich genutzt, überwiegend als Grünland, teilweise aber auch als Ackerland, teilt der Landvolk-Pressedienst mit.

Für einige Höfe ist die Bewirtschaftung dieser Flächen unverzichtbare Grundlage ihrer Existenz, auch für den Naturschutz ist das aufrecht erhalten bestimmter Nutzungen notwendig, um die Schutzziele zu erreichen. Für die historisch in den Schutzgebieten gelegenen Ackerflächen gab es in Niedersachsen in der Regel keine Einschränkungen beim Pflanzenschutz oder der Düngung. 2021 hat die Bundesregierung die landwirtschaftliche Nutzung in Naturschutzgebieten bundesweit nur noch zugelassen, wenn dabei auf die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln weitgehend verzichtet wird. Das führt jetzt zu deutlichen Mindererträgen und deutlich höheren Bewirtschaftungskosten für die betroffenen Betriebe.

Das Landvolk weist darauf hin, dass Bäuerinnen und Bauern in Niedersachsen erstmals die Möglichkeit haben, für die wirtschaftlichen Nachteile des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel auf Ackerflächen und in Dauerkulturen wie z. B. Kulturheidelbeeren, Spargel oder Baumobst in Naturschutzgebieten, ein von Bund und Land finanzierte Ausgleichszahlung zu erhalten, wenn das Gebiet gleichzeitig unter dem Schutz von Natura 2000 steht.

Ein Ausgleichsanspruch besteht auch für den eher seltenen Fall von Äckern und Dauerkulturen in Nationalparken oder als sogenanntes gesetzlich geschütztes Biotop nach Bundesnaturschutzgesetz wie Streuobstflächen, wenn eine solche Fläche zu den europäischen Schutzgebieten zählt.

Die Höhe des Ausgleichs beträgt nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums voraussichtlich 382 Euro je Hektar für Ackerkulturen und 1527 Euro je Hektar produktiv genutzter Dauerkulturen. Mit der finanziellen Unterstützung soll auch erreicht werden, dass weiterhin ein Anreiz für die Fortsetzung der landwirtschaftlichen Nutzung besteht und die Flächen nicht brachfallen und „verbuschen“. Die Antragsvordrucke für 2023 stehen zum Download bereit unter www.agrarfoerderung-niedersachsen.de. Für 2023 können noch bis zum 30. Juni Anträge für den Erschwernisausgleich Pflanzenschutz eingereicht werden. Danach verfällt der Anspruch für die diesjährige Bewirtschaftung. (LPD 42/2023)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…