Landwirt Pülsch produziert regionales Wildvogelfutter

Christian Pülsch-Janßen aus Stinstedt kreiert Wildvogelfuttermischungen und baut auf rund 34 ha u.a. Sonnenblumen, Buchweizen und Hanf dafür an Foto: Pülsch-Janßen

Neben Milchvieh weiteres Standbein für den Hof im Landkreis Cuxhaven

L P DEigentlich sollte Milchviehbauer Christian Pülsch-Janßen aus Stinstedt bei Cuxhaven nur der ausführende Landwirt für ein Schüler Start-Up zur Wildvogelfutterherstellung sein. „Das Projekt hat so schnell und intensiv Fahrt aufgenommen, dass ich mich in das Unternehmen eingekauft und es mittlerweile ganz übernommen habe“, berichtet der Landwirt dem Landvolk-Pressedienst begeistert über die Anfänge. Ziel des Projektes war es, das Vogelfutter von einheimischen Landwirten mit regionalen Zutaten gewinnbringend zu vermarkten – Naturschutz, der sich für alle bezahlt macht.

„Daraus wurde dann www.wildvogel-futter.de“, sagt der 38-jährige Milchbauer, der auf seinem Hof mit zwei weiteren Arbeitskräften 180 Kühe plus weibliche Nachzucht zu versorgen hat und 144 Hektar Acker und Grünland beackert. Zudem arbeitet der Hof eng mit dem Naturschutzverein „Nachhaltiger Norden“ als Partnerbetrieb zusammen und engagiert sich in neuen Projekten für den Naturschutz sowie deren nachhaltige Umsetzung. Gemeinsam mit den Schülern und Wildvogelfutter-Experten hat sich Vogelfreund Pülsch-Janßen Gedanken über die sinnvollste Zusammensetzung des regional und unter Naturschutzmaßnahmen hergestellten Wildvogelfutters gemacht. „Im Sommer 2021 haben wir dann erstmalig auf unserem Betrieb elf Hektar (ha) mit verschiedenen Kulturen, wie Sonnenblumen, Buchweizen und Hanf, für dieses Projekt angebaut und im Herbst 16 Tonnen (t) geerntet. Im zweiten Jahr waren es dann schon 34 ha mit einer Ernte von 75 t. Dazu kommen noch 15 t Zumischung weiterer deutscher Produkte, wie Bruchmais, Gelbhirse, Leinsaat oder Weizenflocken“, erläutert der experimentierfreudige Landwirt. Die daraus kreierten Wildvogelfuttermischungen angereichert mit Rosinen oder Nüssen überzeugen durch die hochwertigen Zutaten. Der Hanf sei natürlich komplett THC-frei und diene den Vögeln „nur“ als perfekter Energieträger, erklärt der konventionelle Landwirt schmunzelnd.

Als Milchbauer hatte Pülsch-Janßen mit seinem Betrieb aufgrund niedriger Milchpreise einige schwierige Jahre durchzustehen. „Da kam das Projekt gerade richtig und wurde sozusagen ein Selbstläufer. Wir haben zur richtigen Zeit eine Marktlücke erwischt“, freut er sich über den Erfolg. Wie bei jedem Neustart musste er jedoch erstmal eine Menge Arbeitszeit investieren. Von der Entwicklung bis zur Aussaat, über Ernte, Verpackung und Vertrieb des nachhaltigen, artgerechten Futters, der Futterhäuschen und -stationen bis hin zur Kundenbetreuung organisieren Pülsch-Janßen und seine Ehefrau alles selbst. „Das ist sehr zeitintensiv, und wir müssen bei allem in Vorleistung gehen, doch ich habe einfach zu viel Lust dazu. Für mich ist es zudem interessant, die verschiedenen Pflanzen anzubauen und damit auch was für die Natur und die Artenvielfalt zu tun“, begründet Christian Pülsch-Janßen sein Engagement. Deshalb gibt er auch gerne Tipps zur Ganzjahresfütterung sowie zum richtigen Umgang und zur Pflege der Futterhäuschen.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Wildvogelfutterverkaufs ist das Steigern des öffentlichen Ansehens der Landwirtschaft. „Vorher hatte man als Landwirt nicht gerade den besten Ruf. Mit diesem Projekt kann ich zeigen, was Landwirtschaft alles kann“, resümiert Pülsch-Janßen, der davon überzeugt ist, dass sich Landwirte über Nischenprodukte zukunftsfähig aufstellen und agieren werden. „Hier kann sich jeder spezialisieren und das machen, was er am besten kann.“ (LPD 13/2023)

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