Ziel: „Kreisläufe aufbauen und Nachhaltigkeit fördern“

Christoph Becker ist in der Kategorie Manager für den CeresAward nominiert Foto: JAWORR

Christoph Becker ist in der Kategorie Manager für den CeresAward nominiert

L P D – „Jeder Betriebszweig ist nur so gut, wie er in Kombination mit den anderen läuft“, sagt Christoph Becker aus Reddingen in der Lüneburger Heide. Er betreibt mit seiner Familie, zwei festangestellten Mitarbeitern und mehreren Aushilfen den Hof Becker und die Biogasanlage CB energy GmbH & Co. KG. „Beide Betriebe bilden einen gut funktionierenden Kreislauf“, sagt er. Dafür wurde Becker nun vom Team des Deutschen Landwirtschaftsverlages (dlv) für das Finale des CeresAwards in der Kategorie Manager ausgewählt.

„Auf dem Hof kombinieren wir in wirtschaftlich erfolgreicher Kombination die Wünsche der Bevölkerung mit den Möglichkeiten, die ich als Landwirt liefern kann“, freut sich Becker. Mittlerweile hat er alle 1.000 Mastschweineplätze mit Strohausläufen ausgestattet und vermarktet die Tiere über den Schlachthof Brandt und den Offenstallverein. Die Schweinehaltung und die Verbesserung der Tierwohlbedingungen liegen besonders am Herzen.

Stolz ist er daher auch auf seine Erfindung, bei der die Tiere durch eine Wühlbewegung des Rüssels einen Taster betätigen, der dann eine Schweinedusche auslöst. „Es ist sehr schön anzusehen wie die Schweine den Buzzer annehmen und wie wir damit zu ihrem Wohlbefinden beitragen können“, nennt er ein Beispiel.

Er hat festgestellt, dass mehr Tierwohl schon durch kleinere Umbaumaßnahmen im Stall erreicht werden kann. „Die weit größeren ‚Umbauten‘ sind im Kopf nötig“, meint Becker augenzwinkernd. Ihm ist es wichtig, offen an Herausforderungen heranzugehen und flexibel zu sein „Insbesondere bei der Schweinehaltung ist mir die Mitnahme der Gesellschaft ganz besonders wichtig“ sagt der begeisterte Tierhalter.

Der Landwirt nutzt die sozialen Medien und hält seine Follower dort über Tierhaltung, Regenerative Landwirtschaft, Schweinebuzzer, Maislabyrinth, Blühpatenschaften und seinen ganz normalen Alltag mit 100 Hektar Ackerbau und einer 400 KW-Biogasanlage auf dem Laufenden. Seit zwei Jahren bietet er zudem Blühpatenschaften an und nimmt damit am Insektenmonitoring des Thünen Instituts teil. „Dieses Programm verbindet Bauern und Bürger vor Ort“, nennt Becker einen wichtigen Aspekt. Das jährliche stattfindende Blühfest an der Fläche sei ein guter Beweis dieser Gemeinschaft.

„Im Ackerbau wende ich mich Stück für Stück immer mehr der regenerativen Landwirtschaft zu und kann dadurch teilweise auf Pflanzenschutzmittel verzichten“, sagt Becker. Dieses Jahr hat der Landwirt daher das erste Mal Triticale in Kombination mit Erbsen angebaut, um Soja zu ersetzen, aber auch um das Bodenleben und die Natur zu fördern. „Mir ist es enorm wichtig, Kreisläufe aufzubauen, um die Abhängigkeit zu verringern und auf der anderen Seite die Nachhaltigkeit zu fördern“, erläutert er seine Philosophie.

Auf dem Bauernhof brauche er trotz intensivem Anbau kaum noch Mineraldünger und decke 90 % des Nährstoffbedarfes mit dem Gärsubstrat der Biogasanlage. Die Bakterien in der Biogasanlage ernährten sich durch Schweinemist, Gülle und Mais. Die dabei anfallende Wärme heize wiederum den Schweinestall.

Zudem produziert die Biogasanlage seit diesem Jahr durch den Bau eines großen Warmwasserpufferspeichers den Strom flexibel. „Wir liefern also genau dann Strom, wenn Wind- und Photovoltaik-Anlagen pausieren“, erläutert der 38-Jährige. Als Ausgangsstoffe kommen mittlerweile fast zu 50 Prozent Wirtschaftsdünger zum Einsatz. Insbesondere der seit zwei Jahren anfallende Schweinemist sei sehr gut für die Anlage geeignet. „Auch wenn Mais natürlich noch den Haupteintrag liefert, so können wir diese durch Getreideganzpflanzensilage (Rogge+Wicken+Gras) und Zuckerrüben schon zu einem erheblichen Teil ersetzen“, zeigt er auch auf diesem Gebiet neue Wege auf.

Ein gutes Miteinander ist ihm auch bei der Zusammenarbeit mit seiner Familie und den Mitarbeitern wichtig. „Jeder auf meinem Hof hat ein freies Wochenende, also auch wir in der Familie“, nennt er einen wichtigen Leitsatz. Zur Verleihung des CeresAwards in Berlin wird er daher mit der seiner Ehefrau und eventuell ein oder zwei Mitarbeitern fahren und mit ihnen die Landwirtschaft feiern. (LPD 68/2022)

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