Ein zufriedenes Pferd minimiert die Unfallgefahr

Foto: Dr. Susanne Schumacher

Neues Fortbildungsangebot in Südniedersachsen – Projekt zur Tierwohlverbesserung

L P D – „Wir fördern keinen Zollstock-Tierschutz, sondern schauen, was die Tiere uns sagen“, fasst Dr. Miriam Baumgartner von der Technische Universität München zusammen. Sie engagiert sich dafür, das Programm „BestTUPferd“ nach jahrelanger Forschungsarbeit nun in die Praxis zu überführen. Digital werden damit Parameter für das Wohlbefinden der Vierbeiner aufgenommen, analysiert und Schwachstellen im Haltungssystem aufgedeckt. „Basierend auf den Leitlinien Pferdehaltung des Bundeslandwirtschaftsministeriums helfen rund 300 Indikatoren dabei, den Pferdehaltern Optimierungsempfehlungen zu geben“, sagt die Veterinärmedizinerin.

Pluspunkte werden zum Beispiel für das friedliche Zusammensein mehrerer Tiere vergeben, Minuspunkte gibt es dagegen für Verletzungen an den Hinterbeinen, die bei zu kleinen Liegeflächen in Gruppenhaltungen vorkommen können oder für zu viele dicke Pferde. „Das Gesamtziel des Projekts ist es, den Tier- und Umweltschutz in der Pferdehaltung zu verbessern“, sagt Baumgartner, die dafür bundesweit 50 Pferdehöfe untersucht hat.

Angesprochen werden sollen mit der Zertifizierung vor allem Pensionspferdestallbetreiber, die ihren Hof objektiv optimieren wollen. „Pferdebesitzer handeln oft nicht im Sinne des Tierschutzes“, hat die Wissenschaftlerin festgestellt. Mit der ausführlichen Bewertung der Haltung nach modernsten Gesichtspunkten sollen daher die Tierhalter, bei denen die Pferde untergestellt sind, in ihrer Argumentation im Sinne des Pferdewohles gestärkt werden.

„Ein zufriedenes und gesundes Pferd minimiert die Unfallgefahr“, sagt Martin Heiland von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Allein beim Führen und Pflegen von Pferden passierten die Hälfte der gemeldeten Unfälle. Für ihn fängt die Unfallverhütung daher bereits beim Tierwohl an. Wenn der Tierhalter dann noch ruhig, entschlossen und tierverständig mit dem Pferd umgehe, seien gute Voraussetzungen für eine vertrauensvolle und sichere Arbeit im Stall oder auf dem Weg zur Weide gegeben.

Vertiefen können Pferdehalter ihr Wissen rund um den Umgang mit ihren Schützlingen zukünftig auch bei einem neuen Seminarangebot der Bezirksstelle Northeim der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Startschuss ist der 20. April. Ab 18 Uhr wird dann im Kammergebäude in der Wallstraße die Auftaktveranstaltung zum Arbeitskreis Pferd in Northeim stattfinden. Interessierte erhalten an dem Abend einen Überblick über die geplanten Themenblöcke wie zum Beispiel Weidemanagement, Haltung und Gesundheit. Interessenten können sich bei Alexandra Menn unter der Telefonnummer 05551/6004133 melden. (LPD 24/2022)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Wiebke Molsen

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