Direktvermarkter wollen mehr Fördermöglichkeiten

Besonders in den Hofläden ist die Vielfalt an Kürbissen Foto: Landvolk Niedersachsen

Halloween macht den Kürbis beliebt – Kürbisanbaufläche auf Rekordniveau

L P D – Zu Halloween am 31. Oktober gehören die gruselig-lustigen Fratzen der dicken Kürbisse vor den Haustüren auch in Deutschland längst dazu. Während sich für Suppen, Aufläufe und als Beilage hauptsächlich die kleinfrüchtigen Sorten wie Hokkaido, Butternut oder Spaghettikürbis eignen, werden Kolosse wie der rote Zentner als Halloween-Kürbisse verkauft und verziert. Besonders in den Hofläden ist die Vielfalt an Farben, Formen und Größen während der Hauptsaison im September und Oktober überwältigend, schreibt der Landvolk-Pressedienst.

„In unserem Hofcafé bieten wir zehn verschiedene Mittagsgerichte mit Kürbis an“, sagt Susanne Rust aus Hagenburg am Steinhuder Meer. Von Kürbiskuchen, Salat in der Bowl, über Nudeln bis hin zur klassischen Kürbissuppe reicht das Angebot. „Wir sind froh, dass wir über das gewerbliche Café unser Gemüse weiterverarbeitet anbieten können“, erläutert Rust, denn dem Bauernhof, den ihr Ehemann Wilhelm Rust führt, sei nur die Abgabe unverarbeiteter Erzeugnisse aus der eigenen Ernte gestattet.

In Zeiten, in denen der Einkauf regionaler Lebensmittel als wichtiges Element gegen den Klimawandel erkannt wurde, weist der Verband Norddeutscher Direktvermarkter nun auf fehlende Fördermöglichkeiten dieser kleinen gewerblichen Anbieter verarbeiteter Waren hin. „Es ist für uns unverständlich, dass die regionale Verarbeitung und Vermarktung zwar politisch gefordert, aber nicht durch entsprechende finanzielle Hilfen unterstützt wird“, erläutert Elke Sandvoss, Geschäftsführerin der Vereinigung Norddeutscher Direktvermarkter.

Das Landwirtschaftsministerium sei nur für die landwirtschaftliche Urproduktion zuständig und für das Wirtschaftsministerium seien die Unternehmen meist zu klein. Zudem würde dort zum Beispiel verlangt, dass die Waren, wie eingelegter Kürbis oder Eierlikör, auch noch in mindestens 50 Kilometern Entfernung verkauft werden müssen. „Dieser Umstand ist für uns nur schwer nachvollziehbar“, konstatiert sie. Die Vereinigung fordert vielmehr, dass gewerbliche Direktvermarkter aus Niedersachsen die Möglichkeit bekommen, sich für Fördermaßnahmen – wie in den anderen Bundesländern auch – zu bewerben.

Denn erst die Verarbeitung der frischen Lebensmittel aus eigenem Anbau ermöglicht den Landwirten einen willkommenen Mehrerlös. „Aus der Suche nach alternativen Einkommensquellen ist bei uns die Idee des Cafés als separater Betriebszweig entstanden, der sich seit vier Jahren immer weiterentwickelt“, sagt Rust, die es liebt, neue Rezepte auszuprobieren und die darin angegebenen Äpfel oder Kartoffeln durch Kürbis zu ersetzen. „Der Trend zu vegetarischen Gerichten kommt dem Kürbis entgegen“, stellt sie fest. Im Hofcafé der Kürbisscheune gibt es zwar auch Alternativen, das vielfältige Angebot animiert aber auch Kürbismuffel zum Probieren. Und wenn es nur der Kaffee Latte Spicy Pumpkin mit frischem Kürbismus auf dem Milchschaum ist.

Auch Deutschlandweit haben die Landwirte auf die gestiegene Nachfrage reagiert und ihre Anbaufläche für Speisekürbisse erhöht. Nach Angaben der Agrarmarktinfomationsgesellschaft (ami) war sie bereits im vergangenen Jahr so groß, wie nie zuvor. Während die Ernte 2020 aufgrund der Trockenheit trotz der höheren Anbaufläche hinter den Rekordwerten aus 2017 zurückblieb, erwarten die Marktbeobachter für die aktuelle Kürbissaison durch das regenreiche Jahr höhere Erträge. In Niedersachsen wurden nach ami-Angaben im vergangenen Jahr auf 327 Hektar (ha) Speisekürbisse angebaut, deutschlandweit waren es 4.673 ha. (LPD 82/2021)

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