Nebenerwerbslandwirte bringen Vielfalt ins Dorf

Nebenerwerbslandwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft, Foto: Landpixel

Wichtiges, aktives Verbindungsglied zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft

L P D – „Vielen Leuten ist nicht bewusst, wie bedeutsam Landwirtschaft im Nebenerwerb ist. Nebenerwerbslandwirte tragen ganz entscheidend zur Vielfalt auf dem Land und zum Dorfleben bei“, bringt es Christian Mühlhausen auf den Punkt. Seit 2018 ist er Vorsitzender des Nebenerwerbsausschusses im Landvolk Niedersachsen und möchte diese Erwerbsform verstärkt in die Öffentlichkeit bringen. „Jeder einzelne Nebenerwerbsbetrieb dient dabei als Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft und erhebt auf den Dörfern seine Stimme für die grüne Branche“, erklärt Mühlhausen als Nebenerwerbslandwirt im südniedersächsischen Lippoldshausen gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

Und diese Stimmen werden immer mehr: Über die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden im Nebenerwerb geführt, 48 Prozent sind hingegen Haupterwerbsbetriebe, die mehr als die Hälfte ihres Einkommens aus ihrem landwirtschaftlichen Betrieb generieren. 2016 verzeichnete Hessen 66 Prozent Familienbetriebe im Nebenerwerb, in Niedersachsen waren es 40 Prozent, Tendenz steigend. Die 15.000 Betriebe, bei denen die Landwirte neben der landwirtschaftlichen Arbeit mindestens einem weiteren nicht landwirtschaftlichen Beruf nachgehen, bewirtschafteten in Niedersachsen durchschnittlich 29,8 Hektar, was 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche entspricht. „Nebenerwerbslandwirtschaft ist wesentlicher Bestandteil der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes, sie erhält die Kulturlandschaft und sichert Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in den Dörfern“, zeigt der hauptberufliche Agrarjournalist sowie Acker- und Waldbauer im Nebenerwerb auf.

Dass die Nebenerwerbslandwirtschaft der „Einstieg in den Ausstieg“ sei, wird durch die steigende Anzahl dieser Betriebe widerlegt. Auch die Vielfalt, die die Nebenerwerbslandwirte einbringen, ist groß: vom Hühnermobilstall, über kleine tierhaltende Betriebe bis hin zum Ackerbau mit Sonderkulturen oder auch Ferien auf dem Bauernhof. „Nebenerwerb bietet zudem Quereinsteigern eine neue Berufsausrichtung. Aber es muss das nötige Fachwissen vorhanden sein, denn alle Gesetze und Auflagen für Haupterwerbsbetriebe gelten auch für sie“, verdeutlicht Mühlhausen. Daher ist die nebenberufliche Ausbildung zum Landwirt bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sehr zu empfehlen. Daneben gibt es diverse Weiterbildungsangebote landwirtschaftlicher Dienstleister, und auch die Kreisverbände des Landvolks bieten ebenfalls ihre Unterstützung an: „Es soll kein Nebenerwerbslandwirt seinen Job aufgrund bürokratischer Hürden aufgeben. Dokumentation oder Antragstellungen von Agrardiesel bis Zahlungsanspruch sind kein Hexenwerk, sondern sie sind Spielregeln für uns Landwirte, die der Maßstab für gute fachliche Praxis sind“, sieht der 44-jährige Mühlhausen das Wirken der Nebenerwerbslandwirte auf einem guten Weg. (LPD 28/2021)

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